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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Und seiner gantzen Thebeischen Legion.' 2z

gen der Clauß aufTarantasia / daß ist/zu dem Skättlein Agauno zurucken /also mit glimpff dem Zorn / und Un-christlichen Gebotten Maximiani zu-entweichen / zwar nicht aus ForchkdeßLodts / sonder zu einer Zierd / undFortpstantzung deß Christlichen Glau-bens / und also ruckten S. Mauritiusmit seiner Christlichen Legion emsigfort / von Octodur hinab biß auf A-gaun / welches bey 12. ItaliänischerMeilen von Octodur gelegen war/ undlegten sich ob dem gemelten Stättleinin ein lustiges Feld zuruhen / und sichwegen ferrne deß Weegö über das ho-he / und grausamme Gebürg zu erho-len / und zuerquicken. Dieweil aberK'äyser Maximianus alles zu dem-tzenopster dienstlich liesse zu bereiten /ward er deß aufbruchs der ChristlichenThebaischen Legion bericht / deßwegenohn allen Verzug schickte er ihnen etlichebewehrte / und Trabanten nach / sie wi-' der zurück in das Läger gütig zuermah-Nen. Denen St. Mauritius nach für-getragnem Käyserlichem Befelch / mitsamt dem H.Cxuperio Fänderich/undCandido Äriegsrath sanjstmuthig ge-antwortet : daß sie der Ursachen vonMarlenach nach Agauno verrückt; da-mit sie sich nit als wahre Christen/unddie an einen alleinseeligmachendenGOktglaubten / vergreiffeten / und ihr Ge-wissen beschwärten mit dem Götzenopf-fer: im übrigen wollen die gantze Legionzum Aäyser / und Römischen Reich sichsteiffhalten/ beschirmen/ und kriegen/auch ihr Leben darfür setzen; aber we-gen deß Heydnischen Opffers / wollen' sie nicht wider nach Octodur / daß istUnser Martenach umkehren. Solche sanffte/Marimia, und Christliche Antwort / da sie durchnus laffct, die Abgesandten Maximians vorgetra-Tbebw 6en worden / ergrimmet er voller Hof-«nthauM. fahrt / und Zorn / als wäre seiner Ma-jestät ab solcher Red ein Schmach wi-derfahren ; befähle ohn alle weitereBarmhertzigkeit - je den zehendenMann / wie sie in ihrer Rüstung stun-den / nach Römischer gewohnheit mitRuhten zuschlagen / und zuenthaupten/ohn alles ansehen / und bedencken derVersöhn / damit öffentlich erscheine /daß man forthin ernstlich mit solchenUngehorsammcn verfahren wolte: derBefelch war kaum ausgesprochen / daeilten die darzu bestellte Beamten/wieBlutdürstige Wölff / oder Soldatendeß Raubs begierig/nach Agaun/dasBlutbad anzurichte. Die ftomen Thebe-er nach angehörtem Urtheil bliben un-bewegt in ihrer Ordnung mit uner-schrocknem Hertzen / und steiffen Glau-ben / die Marter-Cron zuerlangen ;strecketen ihre Hälß den Abgöttischen

Soldaten starckmüthig dar / und ran-gen gleichsam miteinanderen um Visenteurezi Todt / dieweil ein jeder gern dererste wäre gezehlet worden; und erläufstsich der gemarterten Zahl / so die Le-gion noch gantz gewesen/ aufsechs hun-dert sechs und sechtzig Persohnen. Nach Die Legionsolcher Tyrannischer That/ trätten die wird widerfurnehmsten Abgesandten deß Käysers ^8»?.wider für St. Mauritium / und seine ren zuopffe.Lhebeische Legion / sie zucrmahnen / ren.und bitten / sie wölken jetzt Mit ihnenwider nach Octodur kehren / und dasallgemeine Opffer mit ihnen verrichten/und sich mit dem Käyser versöhnen ;wäre aber fach daß sie sämtlich solchetreue ermahnungen nicht wölken ihnenlassen zu Hertzen gehen/ sollen sie ver-gwisset seyn/ es werde sie eben ein sol-cher Todt/ undSchwerdtergreiffen/ wieihre Mitgefährten / wo nicht ein scharpf-fere Peyn/ und Marter :diser Ermah-nung bedanckte sich Maurums/ undbegehrte mit den seinigen cm bedenckenzunehmen / und freundliche Antwort wi-verum darauf zugeben.

Da nun die gantze Legion beyfam- c^p. 7.wen war / möchte der standhafftige Held ^ Mauri.S. Mauritius auf dergleichen Worten( wie Petrus Canisius schreibet mit nunqansci.weitläuffigen Worten / wir aber uns w ftomnwder kürtze besieissen ) sie sämtlich ange- Thcbm.redt haben :Jch sag dem Allmächtigen/und ewigen GOtt unserem Heyland /und Schöpffer danck / frolocke auch / Oihr Meine geliebte Mttgesellcn / undfteue mich von Hertzen / daß euch ausLiebe der Christlichen Religion dasÄäyserliche Deeret / und Gebott keinForcht / und zitteren gebracht. Ihrhabt gesehen / wie man unsere geliebteMitgesellen mit fröhlichem Hertzen aufden Fleischbanck gezogen/ und dem Todtübergeben. Ach wie hab ich mich ge-fürchtet / und besorget / es werde et-wann einer ( welches den Bewaffnetennicht schwer ist) im schein die HH. Mär-tyrer zubeschützen / den Feinden mitGegenwehr begegnen. Dises zuver-hüten / wolte ich mit Christi JESUWort / die er am Oelberg zum ApostelPetro gesprochen / hingegen gesetzt ha-'ben / da er ihne ermähnte das Schwersteinzustecken; dann das Christliche Ver-trauen / und Zuversicht ist vil mächti-ger dann alle Wehr und Waffe.Eben Vi-fer Christus unser GOtt/ hat euere Her-Nk auch vor solchem behütet/ aufdaß nie-mand mit sterblichem Gewalt sich demGöttlichen Merck widersetzte / sonderdas angefangene Merck deß Glaubensmit immerwährender Religion erfülle:

Biß auf dise Zeit haben wir vil Exem-pel der Märtyrer gelesen/ und gehört/zetzt haben wir selber gesehen an unse-ren