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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von der H Jungfrau / und Marterln Verena.

ihren Beruff grösser mit etlichen Wun-der-zeichen : Dann es kamen abermah-len vi! Krancke/ und Presthaffre/Blin-de/ und Lame zu ihr/ denen war siemit ihrem Gebett behrlfflich / und hey-lete sie. Einsmahls begab sich / daßMachet ein ein arme Fransn ihr käme / die trügeEhren Sohn auf den Achseln / weil erAud Blind / und Lam war/ legte denzuih-ren Füssen/ sprechend ; 0 du heiligeIungftau/ ich bitte dich durch die Lie-be deines Gottes/ du wollest dochbey ihm erwerben / damit meinem Sohngchoiffen werde. Da Antwortet dieHeilige Verena sittiglich / was begeh-rest du daß ich ihm helffe ? die Frauaber; Ach daß er sehend werde/ undgehen könte/ dann ichs die länge nichtmehr herum tragen kan. Da wurdedie Heilige Jungfrau zu grossen Mit-leyden beweget/ erbahrmet sich ihrer/' und nach dem sie die Frau wohl getrö-stet/ tratte sie beyseits / legte sich mitaußgespanten Armen auf die Erden /' bittet GQtt flehentlich um Besserung/und Gesundheit deß armseeligen Kinds:welche G0tt abermahl ihres Fürbittsgnädig bewehrt / sintemahl dem Kindsein Gesicht gegeben / und hat aufrechtaufden Füssen angefangen zugehen.

Da Sie aber bey Coblentz auchgrossen Zulauffund Ubertrang von denKrancken / und allerhand Anligen leyrdenden Leuthen hätte / wegen ihres hei-ligen Lebens und guten Mohns; ge-dachte sie von bannen zuziehen : und indem sie von Coblentz verreisere / erreich-te sie ohngefähr den Flecken Zurzach;dann Sie berichtet wurde / daß Chri-sten da seyn / und die Christliche Reli-gion werde allda ungehindert geübet.Eben da fände sie ein Kirchen (zuEh-,renderallerheiligisten Jungfrauen/ undMutter Gottes Mariä erbauen) wel-che sie andächriglich besuchte / und ge-dachte/ weil sie von weiten Landen da-hin kommen / ihr Vatterland/ und al-les verlassen / also einig / und nunmehrlang in den unbekanten Landen umhe-ro gezogen; ES wäre allbereit Zeit/einOrth zu erwöhlen / in dem sie ihre» Pil-gerschafft ein End erreichen möchte; deß-wegen sie Gott den Allmächtigen treu-lich hatte / wann es zu seinem Lob / undEhr/ auch ihrer Seelen Seeligkeit die-nere / wolte ihr die mitte Gnad erzeigen/daß sie diß Orths ihr Pilgerschafftvoll-kommlich / und in Gnaden ende. Nachvollbrachtem Gebett/ käme eben einPriester in diese Kirchen / sein Gotts-dienst da zuverichten/ und die heiligeMeß zuhalten ; da trüge.S. Verenaein Gefäß mit Wein in ihren Händen/und wartet biß zum End deß Gotts-

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nach Zur,jach.

Nimmt KVcttnamikisich/ver,trauet ihrfein aantzE>außn>r».

Z« Znr;achwar,chvnder Chri sitz»cheCarholi»sche Glaub/und einPriester.

diensts / opfferte den Wein bey dem Al-tar aus/ bettet mit grossem Verlangen /damit sie an diesem orth bleiben keilte!'

Auß Göttlicher Vorsehung / nach volrlenter Meß / gieng der Priester zu ihr /fragte woher sie kommen ? und auß wasUrsachen sie in diesen Landen wäre ?weil er sie gleich für ein Außländischeerkennt; Ja Ehrwürdiger Herr sagtesie: Ich bin auß ferrnen Landen hieherkommen/ auß der Statt Thebäa/ diein Egypten ligt; Die Ursach aber mei-nes Ankommens ist / daß ich bin einBlutsverwandte deß heiligen. Moritzender Thebäer obersten / beyneben binich auch von Christlichen Eiteren geboh-ren/ mit dieser Legion über Meer gezo-gen/ die heilige oerther zu besuchen/und zu verehren / und so es Gott gelie-bet hätte / die Marter - Cron zu erlan-gen : Weil es aber dem lieben Gottanders gefallen / und nicht nach mei-nem Wunsch / und Begierd ergangen /so bitte ich gantz demühtiglich/ ihr wöl-ket mir günstig gestatten allhie GQttzu dienen biß zum Abschied meiner See-len. Darauffantwortet der Priester:

Ist diß euer Gemüht / und Willen / denihr mit dem Wille» Gottes vereiniget/ihme/ und seiner geliebten Mutter Ma-riä zu dienen/ so verbleibet bey mir /umder LiebeGotteS /und der Seelige«Jungfrauen Mariä willen / will ick euchsovil M lieb thun / als in meinem gerin-gen Vermögen feyn wird/und euch ge-nügsame Underhaltung zu kommen lasse.

Diß Christlich anerbieten / nähme S. .Verena mit sondern» Danck an / und -verbliebe also bey dem GottfeeligenPriester / lebte in Gottsforcht / und An-dacht / nicht allein wie zuvor/ sonder jemehr und mehr zunemmend. Der Ur-

sachen der benannte Priester ihr alleswas er in seinem Gewalt hätte/ undvermöchte/ zu verwalten übergab; des-sen sie sich emsig auch angenommen /damit der Priester von zeitlicher Ver-waltung/ und Haußgeschäfften befrey-et/ und entlediget/ Gott dem Her-ren desto andächtiger dienete.

Nahe bey dem Rhein wäre ein alte o»p. r-zerstöhrte Statt / vor reiten von denRömern erbauen / welcher Anzeigungnoch heutiges Tags zufinden / und zu se- S- VeraraHeu ist. In diser wäre neben andern be- r>m

wohnten Häusern / den armen Leu- Armm h'iffthen/und sonderlich den Siechenauch einBehausung eingegeben. Weilen danndie heilige Verena je / und allrvegen eingrosses Mittleyden zu den Armen ge-habt / und ihnen bestes Fleiß zu hülffkommen / nickt allein mit Gut / undleiblicher Fürsehung / sonder Morde-test auch mit ihrem Ekbett / und Gott-

seeli-