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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Abt/und Beichtiger. Lz

zogen/ und erlahmet/ daß er nicht ge-hen vermochte; das Angesicht verbrent /die Augen mit Haut/ und Fleisch der-maßen überzogen/ daß es ein abfcheu-en zusehen geweßt. Diser würd mitseiner Eltern Hilft/ nach Rom geführt/erlangte allda vorige Leibs - Kräftten /jedoch verblibe er Blind. In dem eraber von Rom wider anheimisch war /zöge er zu S. Gallen/ wird da an ei-nem Sokitag in der Metten bey Nacht /mit dem Schlaff überfallen/ sihet einGesicht als wurden zwey feurige PfeilvomAltar abgeschossen/ so ihme in sei-ne Augen abgiengen / erschracke absol-chemGesicht/ sienge anzufchreyen/undfielezitterentzuboven ; als erlang aufder Erden umgewaltzet / ist das Fühlwelches über seine Augen gewachsen /gleichsam wie mit einem Messer geöff-net/ und abgefallen / darum er sich deßwidergebrachten Gesichts erfreuet / undmit der Zeit seynd ihme die Augen alsorein/ und lauter worden/ daß keinMangel mehr erschinen. Es hätteihme/ wie glaubwürdig/ S. Petrusder Apostel/ durch seyn Gebett von al-ler Äranckheit erlösen können/ aberauß Göttlicher Fürsehung ist es gesche-hen / daß der H. Gall mir solchem neu-en Wunder der Apostel Thaten ver-glichen werden solte / und dardurchdises männiglich erkenntte.

Am Nachfolgenden Sonntag istbtumm / ein Stumm / und Hörloß Mensch / vi-vndHörloß. ix« Brudern diß Orths wohlbekannt /nach Gewohnheit in das Kloster kom-men/ in der Metten übernacht gelie-hen/ und mit einem starcken Streich zuBöden gemorsten worden / wie solchembald vil Bim auß dem Mund/ undOhren außgestossen/ ist er alsobald wi-der zu Gehör/ und Sprach kommen.

,4 Einer - K loster - Jungfrau Costan-kahm,Alo- tzer Bischthums / ist ihr Arm dermassenßtr,Kling- erkrummet/ daß sie dessen kein brauchMhr haben könte; als sie aber in demKloster bey deß H. Galli Grab/ gerbetten / würd der Arm wider starck/und Gesund.

- Einer wäre so Krumm / und Lahm/

daß er niergents für sich selbst gehenKrumm/ möchte / Diser wmd von den seinigen«nk> Lahm. ^ deß heiligen Galli Grab geführt /und wann er under Tags sich in derKrufft bey dem Grab/ nidergelegt/ister Abends wider in die Herberg ge-führt worden: Diß geschahe etlichTäg/endlich als ein Ordens-Priester mderKirchen / nicht fettn von dem Lahmen//Meß gelesen / und ausser ihrer beedenniemand in der Kuchen war/ würd

der Kranck urplötzlich von GOtt/ durchdes heiligen Galli Verdienst/ erhöret;fangt an mit unordenlicher-Stimme er-schröcklich zufchreyen/ daß der Priesterhefftig über dem Altar erschracke / undwie er oft hernach bekennet / förchtete:da er um sich schauere/ und niemandbey sich gehabt/ höret er-in dem/ daßdie Glider des Lahmen sich erstrecken/und die erkrunnme Bein/ wie dürreStecken von einander krachen / kehretund wendet sich vor Angst hin - und He-rs/und ersihet endlich den/welcherKrumm/ und Lahm geweßt/ Gesundaus der Krufft wider herauß gehen /welcher alsbald so starck worden/ daßer ohne Verhindernuß der Schwach-heit alle Weeg/ und Steg gehen könte.

Ein reicher / aber krancker Mann / r§.

hätte ein gantz Jahr solchen Widerwil- Von umlen zum Essen gehabt/ daß er zu Er- A/"langung gehabter Gesundheit nichts " 'niessen/oder behalten möchte. Er würddeßwegen in des heiligen Galli Klostergeführet. Nach langem Gebett/ undSeufftzen/ empfangt er von dem Prie-ster das Hochwürdig Sacrament/ da-rauf erlangte er wider ein rechten Lustzu Essen/ dancket GOtt/ und demH. Gallo/ geht Gesund nach Hauß.

In disem Kloster war under an-' 17-dern Schul-Jüngern ein Knäbleinvon bedürftigen Eiteren gebohren/ a- ZMGwbber in dem Fleiß zustudieren emsig / ein Knabwelchem auch die Eltern zufrühe ent- Mm,.angen/ daß er sich mit seiner Handar-eit erhalten müßte/ liesse aber vomStudieren nicht nach. Der erkrank-te hefftig / daß er auß langem ligen aufeiner Seiten gantz geschwürig/ unddardurch so Elend worden / daß er oh-ne andere Hilff kein tritt zu thun ver-möchte / bey ihme wollen auch die Leibs-Artzneyen nicht Fruchten / daß män-uiglich an seiner Gesundheit verzagte.

Da läse der Custör diß Orts den Staubbey S. Gallen Grab zusammen/ anSt. Gallen Feyrtag/ vermischte von'der Ampel daftlbsten Oel darunder /und salbte den Schmertzen des Kna-bens damit / folgenden Tags wurde erder Geschwür ledig / und gantz Gesund.

Der Ursachen/ und zuGedächtnußdererlangten Gesundheit / hat er demHeiligen die Tag seines Lebens ge-dienet.

Es käme ein armer Jung in dasKloster zubetten / welcher fein Bruder/ Stummder lang Stumm gewesen/mit sich brach- gr-te. Als er deß heiligen Galli Grabbeynahe!/ sihet er ein Priester alldaMeß halten/ erwartet deß End / und

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