Aus dem BischthuM Losimna.
Gesicht / der zu ihr spräche: Ein glück-ftelige Geburt/ und Kiud hast du em-pfangen/ welches GOtt/ und seinenHeiligen angenehm / den Menschen anGeschrcklichkeit nützlich / und an Ehrengroß seyn wird. Nach Visen Wortenverschwände er aus ihren Augen. Alsnun Bonifacius gebohren/ und ge-musst / und mit allem fieiß erzogen war/pflegte er / so offt ihne sein Mutter /und andere Befreundte aus Liebe küsse-ten / denselben Kuß mit seinem Hembd-lein oder Röcklein abzuwaschen / damitanzuzeigen daß er die leibliche Liebewemg achtete. Da er nun fünff Jahralt worden / haben ihn seine Elterenin die Schul gethan / und den Lehrmei-stern übergeben ; allda er in Andacht/und allen freyen Künsten also zunäh-me / daß er seine Mitgesellen weit über-traffe / und ihnen vorgienge. NichtsKindliches / nichts Weltliches war anthme gespühret worden / sonder GOtti zudienen / und mit studieren verschlösseer sein Jugend / biß er das 17. Jahrerlangete.
Hierauf ward Bonifacius von sei-MN Eiteren / auf die hohe Schul genvar,ß. Paris geschickt / da er zo. Jahr in derLehr / und Übung der freyen Künstenverzehrte/ biß er endlich Doclor Theo-logie! worden/ welche er auch öffentlich7. Jahr/ in der Sorbona vorgelesen /und profiliert hat. So bald er auchPriester worden / pflegte ei gemeinig-lich alle Tag mit grosser Andacht / De-muth / und Vergressung der ZäherenMeß zuleftn / führte ein strenges Le-ben mit Betten / Fasten / und Wachen/in Verachtung seiner selbst / Tragung ei-nes härmen Hembds / einer eisens / undhernach harinnen mit groben Knöpffengemachten Gürtel. In dem redenwar er behutsam ; in dem essen / trin-cken / und schlaffen mäßig; in denK leideren schlecht / und an nothwendi-ger Aufenthaltung arm. Er wäre einbesonderer Liebhaber der Mutter Got-tes Marici / die er täglich mit sonderetAndacht verehrete / und sich ihr hertz-lich befähle/ und inniglich begehrte /sie in drfer Welt einmahl zusehen / der-,,, wegen als er einmahl die Mutter derEBarmhertzigkeit vor ihm sahe stehen /schcintt it,, stete er auf seine Knye nider/ und be-»>e. fahle sich in ihren Schutz / und Schirm/und sprach : Domino mea LanciaClaris ?anKi6cs me - H mein FrauH. Maria reinige / und heilige mich;Darauf antwortete die Himmel Kö-nigin : Lr llmKistcävi, öc irerum tän-«lkiÜLgbo re, Ich hab dich gereiniget /und geheiliger/ und will dich mehr rei-nigen / und heiligen / und damit nah-
k. Innrer, Die H. Schweif.
me das Gesicht / und Erscheinung einEnd.
Als sich aber hernach zu Paris zwft c-?- z.schen den Gelehrtesten in etlichen Pun-cten / und Articklen ein Mißverstanderhübe / also daß die Schulen beschlos-sen wurden / zöge unser GottseeligerBonifacius von Paris gen Cölln / daihme dann bald ein Canonicat aufge-tragen / und ein Theologische Lectionin der Schul anbefohlen ward/ dieweilsein Geschicklichkeit / Lehr und Eyffer/jaauch frommes Leben / in der StattLölln schon zuvor bekannt / und seinAnkunfft allen Frommen/ und Gelehr-ten angenehm war. Was nutzes aberer geschafft mit votieren / lehren / undlesen / wollen wir den Cvllnern / undSchulen zureden / und anzuzeigenüber-geben. Hierzwischen entstünde auchin dem Bischthum Losanna / under denThumherren grosser Mißverstand / ind eme sie in der Wahl deß Bischoffs nichtüberein stimten. Nach langem käme im A.wKJahr 1222. die Sach für Ihr Heiligkeit T'M"-Papst Honorium IH. der / weil er dieverbitterte Gemüther nicht vereinbah-ren möchte / setzte er ihnen an das Brich- ,thun, Losanna / aus Päpstlichem Ge-walt den Gottseeligcn Bonifacinm.
Und ob er schon ungern in die Bischöff- 'liche Hochheil bewilligte / müßte er dochGehorfammen / und das Bischthumannehmen / und wird also der z,. Bi-schofs zu Losavna gezchlt.
So bald er an das Bischthum ka-me/ und vermerckte/ in was für einemverwirreten Stand alle Sachen stun-den/ hübe der H. Bonifacius mit gros-ser Bescheidenheit an / einen neuen Bo-den zulegen / mit predigen / und lehren/öffentlich / und in geheim zu der Büß /und Besserung- des Lebens manniglrchzuermahnen. Es wäre auch zu diserZeit ein grosser Zweyspalt in der Christ-lichen - Kirchen zwischen den höchstenHäuptern/ Papst Gregorio IX, undKäyser Friderico U. dann als j.ht ge-sagter Käyser in den Geistlichen Banngethan war / ergrimmete er sehr / ver-hetzte vü Land/ und Stätt in Italien/und erfüllete alles mit Brand / undMord / deßwegen beschribe Ihr Päbfl-liche Heiligkeit ein Concilium von vi--len Bischöfftn/ und Prälaten/ beruftte auch sonderlich darauf unsern Boni-facium- In Visen allgemeinen Con-cilio / war Käyser Fridericus wider umverbannet/ darüber er mehr ergrime-te / und liesse vil Geistliche Vätter / sowiderum nach ihrem Bischthum mie-ten/ fangen. Und dieweil er ein gros-se Schuld difes Fluchs auf Vonrfaci-
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