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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Aus dem BischthuM Losimna.

Gesicht / der zu ihr spräche: Ein glück-ftelige Geburt/ und Kiud hast du em-pfangen/ welches GOtt/ und seinenHeiligen angenehm / den Menschen anGeschrcklichkeit nützlich / und an Ehrengroß seyn wird. Nach Visen Wortenverschwände er aus ihren Augen. Alsnun Bonifacius gebohren/ und ge-musst / und mit allem fieiß erzogen war/pflegte er / so offt ihne sein Mutter /und andere Befreundte aus Liebe küsse-ten / denselben Kuß mit seinem Hembd-lein oder Röcklein abzuwaschen / damitanzuzeigen daß er die leibliche Liebewemg achtete. Da er nun fünff Jahralt worden / haben ihn seine Elterenin die Schul gethan / und den Lehrmei-stern übergeben ; allda er in Andacht/und allen freyen Künsten also zunäh-me / daß er seine Mitgesellen weit über-traffe / und ihnen vorgienge. NichtsKindliches / nichts Weltliches war anthme gespühret worden / sonder GOtti zudienen / und mit studieren verschlösseer sein Jugend / biß er das 17. Jahrerlangete.

Hierauf ward Bonifacius von sei-MN Eiteren / auf die hohe Schul genvar,ß. Paris geschickt / da er zo. Jahr in derLehr / und Übung der freyen Künstenverzehrte/ biß er endlich Doclor Theo-logie! worden/ welche er auch öffentlich7. Jahr/ in der Sorbona vorgelesen /und profiliert hat. So bald er auchPriester worden / pflegte ei gemeinig-lich alle Tag mit grosser Andacht / De-muth / und Vergressung der ZäherenMeß zuleftn / führte ein strenges Le-ben mit Betten / Fasten / und Wachen/in Verachtung seiner selbst / Tragung ei-nes härmen Hembds / einer eisens / undhernach harinnen mit groben Knöpffengemachten Gürtel. In dem redenwar er behutsam ; in dem essen / trin-cken / und schlaffen mäßig; in denK leideren schlecht / und an nothwendi-ger Aufenthaltung arm. Er wäre einbesonderer Liebhaber der Mutter Got-tes Marici / die er täglich mit sonderetAndacht verehrete / und sich ihr hertz-lich befähle/ und inniglich begehrte /sie in drfer Welt einmahl zusehen / der-,,, wegen als er einmahl die Mutter derEBarmhertzigkeit vor ihm sahe stehen /schcintt it,, stete er auf seine Knye nider/ und be-»>e. fahle sich in ihren Schutz / und Schirm/und sprach : Domino mea LanciaClaris ?anKi6cs me - H mein FrauH. Maria reinige / und heilige mich;Darauf antwortete die Himmel Kö-nigin : Lr llmKistcävi, öc irerum tän-«lkiÜLgbo re, Ich hab dich gereiniget /und geheiliger/ und will dich mehr rei-nigen / und heiligen / und damit nah-

k. Innrer, Die H. Schweif.

me das Gesicht / und Erscheinung einEnd.

Als sich aber hernach zu Paris zwft c-?- z.schen den Gelehrtesten in etlichen Pun-cten / und Articklen ein Mißverstanderhübe / also daß die Schulen beschlos-sen wurden / zöge unser GottseeligerBonifacius von Paris gen Cölln / daihme dann bald ein Canonicat aufge-tragen / und ein Theologische Lectionin der Schul anbefohlen ward/ dieweilsein Geschicklichkeit / Lehr und Eyffer/jaauch frommes Leben / in der StattLölln schon zuvor bekannt / und seinAnkunfft allen Frommen/ und Gelehr-ten angenehm war. Was nutzes aberer geschafft mit votieren / lehren / undlesen / wollen wir den Cvllnern / undSchulen zureden / und anzuzeigenüber-geben. Hierzwischen entstünde auchin dem Bischthum Losanna / under denThumherren grosser Mißverstand / ind eme sie in der Wahl deß Bischoffs nichtüberein stimten. Nach langem käme im A.wKJahr 1222. die Sach für Ihr Heiligkeit T'M"-Papst Honorium IH. der / weil er dieverbitterte Gemüther nicht vereinbah-ren möchte / setzte er ihnen an das Brich- ,thun, Losanna / aus Päpstlichem Ge-walt den Gottseeligcn Bonifacinm.

Und ob er schon ungern in die Bischöff- 'liche Hochheil bewilligte / müßte er dochGehorfammen / und das Bischthumannehmen / und wird also der z,. Bi-schofs zu Losavna gezchlt.

So bald er an das Bischthum ka-me/ und vermerckte/ in was für einemverwirreten Stand alle Sachen stun-den/ hübe der H. Bonifacius mit gros-ser Bescheidenheit an / einen neuen Bo-den zulegen / mit predigen / und lehren/öffentlich / und in geheim zu der Büß /und Besserung- des Lebens manniglrchzuermahnen. Es wäre auch zu diserZeit ein grosser Zweyspalt in der Christ-lichen - Kirchen zwischen den höchstenHäuptern/ Papst Gregorio IX, undKäyser Friderico U. dann als j.ht ge-sagter Käyser in den Geistlichen Banngethan war / ergrimmete er sehr / ver-hetzte Land/ und Stätt in Italien/und erfüllete alles mit Brand / undMord / deßwegen beschribe Ihr Päbfl-liche Heiligkeit ein Concilium von vi--len Bischöfftn/ und Prälaten/ beruftte auch sonderlich darauf unsern Boni-facium- In Visen allgemeinen Con-cilio / war Käyser Fridericus wider umverbannet/ darüber er mehr ergrime-te / und liesse vil Geistliche Vätter / sowiderum nach ihrem Bischthum mie-ten/ fangen. Und dieweil er ein gros-se Schuld difes Fluchs auf Vonrfaci-

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