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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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z 48 Von dem ftcligcn Knaben/ und Märtyrer Ludwig.

Stadt darvon zumachen / oder im ge-ringsten zuoffenbahren/ so hatte wederer noch sie zuförchten / im widrigen a-ber wann er Fuhrmann das Maul nichthielte / wollen sie ihn / als diser ThatMikgehilffen/ bezeugen / und außruf-fen. Mit solcher Zusprechung / undVerehrung io. Gulden beredten dieJuden gesagten Fuhrmann/ daß ernoch ihnen den ermordten Knaben vondem Karren zu einer hochen Tannengetragen / da warffen die Juden einSeil über einen hochen Tannen-Ast /zogen den Knaben daran auf/ als ober sich selbst hätte erhenckt / über daslegten sie seine Händ über sein Ge-macht/ und gaben ihm das Messer indie Hand/ als ob er ihm selbst/ reve-renter/ das Gemacht hätte abgeschnit-ten : Zogen darauf die Mörder aller-seits nach Hauß / gäntzlicher Hoffnungdie Sach sey geschlicht/ und werde ver-schwigen bleiben.

Der Allmächtig GOtt aber wolteden schändlichen Mord / und Mißhand-lung wider Ludwigen den unschuldigenKnaben/ nicht verborgen lassen/ son-der liesse underschidliche mahl zu Nachtein glantz gleich einem schönen stechtenStern vom Wald Haßlach / Und ho-her Tannen/ an welcher das unschul-dig Blut hienge/in die Stadt Ra-rcnspurg scheinen / wie es vil ehrlicheBürger zu Ravenspurg gesehen / undwahrgenommen/ auch mit einem Eyvbesichtiget/ haben doch dessen Bedeu-tung nicht wissen können. Underdem giengen etliche Buben in gemeltenWald/ Vogel-Näster zusuchen/ unddie Vögelein außzunehmen; selbe fan-den unversehens ihren Schul-Gefellena der Tannen hangend / und Todt/ dieKnaben giengen wider in die Stadt /sagten männiglich wie ihr Schul-Ge-sell Ludwig an einer Tannen todt imHaßlach hange / vermeinten auch erhätte sich selbst erhenckt. Aber dieverständige Bürger giengen den Kna-ben zubesichtigen hinauß/ befunden fovil zeichen/ darauß sie endlichen erach-tet / er müßte ermördt seyn worden /und auß Arglistiakeit der Mörder andie Tannen geknüpfft/ damit die Thatvertuschen blibe. Darzu gäbe guteAnleitung des Ludwigen unsträflichLeben / der leuchtende Stern / so nächt-licher weil gegen der Stadt sich mit soschönem Glantz erzeigte/ welches vilBürger gesehen. Der unschuldigJüngling wurde aus Befelch geist-undweltlicher Obrigkeit von der Tannenabgelößt/ und under der Tannen be-graben/bis aufweiteren. Bericht/mndErkundigung/ wie die Sach sich möcht

verlosten haben. Und alsbald fieleein Argwohn auf die Juden zu Ra-venspurg/ bevorab weil man gesehen/daß diser Ludwig vil bey dem Judenauß / und eingangen. Zu dem wi-che auch der unglückhafftig FuhrmannNiclaus Knoll von Ravenspurg aufUberlingen aus Forcht / und Schrecken/diser wurde im Jahr 14Z0. nach demvil Reden/ und Mumlungen über denFuhrmann/ und Juden erschollen/Uberlingen eingezogen / bekannte / undzeigte den gantzen Verlauffan/ wie be-vor beschriben / bekannte die Mörderi-sche Juden mit Nahmen / der Fuhr-mann wird auf Recht / und ergang-nes Urtheil zu Uberlingen auf das Radgelegt/ wiewohl der arme Knoll sichUnschuldig zusein vermeinte. Aaron/Anshalm beyde Brüder mit Moyse ih-rem Schwager / neben andern zu Ra-venspurg / andere zu Uberlingen / Lin-dau/ und Costantz/ weilen derer -Ok-then alle Juden auf die Hochzeit kom-men auch Rath / und That zu disemMord gegeben / wurden eingezogen /zum Feur verurtheilt/ und Anno 14Z0.wie gemelt/ verbrennt.

Als der Mord wie gehört/ offen- es?. §bahr/ auch der leuchtende Stern wie -zuvor / also auch hernach / von demWald/ und Tannen / under welcherLudwig begraben worden/ sich beynächtlicher weil erzeigte/ ist hernach einfein steinere Capellen GOtt zu ehren/und diser That Gedächtnuß erbauetworden / das Srth hiesse man die Ca-pe» zur Tannen. Dahin bey in.

Jahr lang ein grosse Wallfahrt vonAnheimisch/ und Frembden gespürtworden / wie es ein alte Chronick vonRavenspurg bezeugt/ und folgende z.Wunderzeichen aus selber Chronick Hie-bey gefetzt/ damit wir anderer so daverzeichnet/ geschweige«.

Johann Grabman von Ravenspurg/ ^

dessen Geschlecht noch zu unserer Zeitgrunnet/hätte ein grossen Leibschaden/und Bruch anlseinem Leib/ deßwegen eroft in Lebens-Gefahr gestanden/als eraber sich mit Andacht zur Capellen zuder Tannen verlobte/ wurde er durchdeß stetigen Knaben Fürbitt Frisch /und Gesund.

Ein Knab zu Bregentz ist in das ^Wassergefällen/ und ersoffen/ welcherüber ein Stund herauß gezogen/ undTodt befunden worden. Da ver-sprachen die Seinige ein Wallfahrt zudem S. Knaben / alsbald lebte derJüngling widerum/ und war Frisch/und Gesund. '

Mi,-