Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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450 Von dem Gottseeligen Petro Canisio/

n.

daß man achtete ein Mensch könnte na-türlicher Weiß damit sein Leben nichterhalten. Wie er nun gantz zu Beth gele-gt/und nach strengem fragt gefragt wor-den / was er essen möchte ? begehrt erein Vöqelein/ aber man hat keines den-selbigt Tag auf dem Marckt zukaufft ge-funden: Wie es nun gegen dem Abendwäre/ und der Bruder traurig bey demCanisio fasse/ sihe da fliegt unversehensein Vögelein in das Zimmer/ und lies-se sich gar leichtlich fangen / welches er/als wäre es von dem Himmel geschickt/dem gottseeligen Mann gekochet/ deres auch gessen / und gesprochen: SeyeGOtt gelobt / wie hab ich heut ein sostattliche Mahlzeit gehabt. Und alsnun sich die K'ranckheit also verweile»ist er an St. Thonui deß Apostels A-bend/ dieweil er sich etwas bessers be-funden/ ausgestanden/ und gebettet /bald darauff käme ihn ein grosses grau-sen an / daß er sich lviderum in dasBeth begeben/gebeichtet/und begehrtdie 7. Bußpsalmen mit der Lytaney /auch die Gebet! / so man bey den Ster-benden zugebrauchen pflegt durch dieBrüder zusprechen. An dem folgendenLag hat er das hochheilig Sacramentmit höchster Andacht empfangen / wel,ches er selbst begehrt / die H. Oelunggab man ihme nach Mittag. Als ernun die Augen zu der Thür gewendt /hat er nut den Fingern darauff gedeu-tet sprechende: Sehet ihr nicht/ sehetihr nicht ? aber die um ihn waren/ sa-hen nichts / doch hat niemand daran ge--weifflet / daß er nicht ein HimmelischeErscheinung gehabt habe. Er hat oftmit grosser Andacht das H. Creutz ge-rüstet/ und dasselbige in einer Handgehalten/ in der anderen Hand aberhielte er ein geweyhete brinnende Ker-tzen ohn einige Anzeigung deß Schmer-tzens/ oder Todtsnöthen/und also gä-be er seinen H. Geist auf in die Hündseines Schöpffers in dem Jahr 1597- anSt. Thomä deß Apostels Tag / einwenig mehr als ein Viertel vor 4. Uh-ren deß Abends / seines Alters indem77» Äahr.

Bey difem feeligen End haben sichbefunden Herr Sebastianus Veronius/Probst bey St. Niclausen/ 2. PP.Capucini / 2. deß Raths / und dasantze Collegium/ welche alle herumnyeten/und betteten. Über ein Stundhernach hat sein Angesicht vil schönergeschinen/ als weil er gelebt hatte/anden Handen hat sich auch ein liebliche/und rosenfarbe Färb sehen lassen. Alsnun der Todt in der Stadt kundtbahr

worden/ ist ein grosses Leyd bey jeder-mann entstanden / und hat so wohl dieClerisey/ als der Stadt-Rath sich be-rathschlaget / an welches Orth sie Visen"teuren Mann / nach seinen Würden be-statten könten/ oder sollen / und end-lich einhelliglrch beschlossen / daß manihn solteindie fürnehmsteKirchenzu St.Niclausen für den hohen Altar begra-ben. Deß folgenden Tags aber/ eheund zuvor man ihn in die Pfarrkirchengetragen/ haben ihn die Patres in ihrCapell gesetzet/ und ihn daselbst nachChristlichem brauch bestmgen. DieBaarstunde allda zugedeckt / so bald mana-ber das Luch hinweg gethan/ und dasVolck das schöne/ und lebhaffteAnge,-ficht gesehen / ist erstlich ein grosses seuff-tzen/ und weinen/ und folgentS ( alsein jeder den S. Leib mit seinem Paternoster berühren wöllen ) ein solches ge-rreng entstanden / daß nicht außzuspre-chen. Nach Mittag um z. Uhr/ ist dieLeicht mit vorgehender Clerisey / undBegleitung dergantzen Stadt/und Len-kung aller Glocken zu St. Niclaus ge-tragen worden / und nach der gelung-nen Veiper/ hat der Hr. Probst Vero-nius ein L,eichtvredig gehalten. End-lich zu Nackt ( dann man dem andclch-gem Volck bey z. Stund die Begräb-nus auftschieben müssen ) ist der ver-storbne Leib/ auß welchem ein überna-türlicher / und lieblicher Geruch gebüh-ret worden/ in das verordnete Grabbegraben worden. Es haben 4. leib-liche Brüder / die Edlen von Dießbach/einen vom weisem Marmel Stein überdas Grab legen / und Herr JohannWild ein schönes Epitaphium/ oderGrabschriftt an die Wand hencken las-sen. Die Chorherren aber bey St. Ni-clausen hielten dem Gottseeligen Cani-sio sein Sibendten / und dreyssigstenTag mit Andacht / und herrlichen Kir-chen » Gepräng. Zu Freyburg haltman in gemein darfür / daß PetrusCanisius seye in seinem Todtbeth ge-betten worden / er solle die Stadt vorder bösen Sucht / oder Pest / so vordisem offt darin zuregieren gepflegt hat/behüten / und verwahren / dessen er sichauch anerbotten/ und versprochen hab.Und sagen auch gemelte Freyburger /nicht ohne sonderbahre Danckbahrkeit/daß von derselben Zeit an/solche Suchtin ihr Stadt nicht kommen seye / oderdoch nicht weit um sich griffen habe /ob sie gleichwohl in der na'he starck umsich gerissen. Wie unden bewisen wird/wann wir sonderbahre Zeichenwerden anzeigen.