450 Von dem Gottseeligen Petro Canisio/
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daß man achtete ein Mensch könnte na-türlicher Weiß damit sein Leben nichterhalten. Wie er nun gantz zu Beth gele-gt/und nach strengem fragt gefragt wor-den / was er essen möchte ? begehrt erein Vöqelein/ aber man hat keines den-selbigt Tag auf dem Marckt zukaufft ge-funden: Wie es nun gegen dem Abendwäre/ und der Bruder traurig bey demCanisio fasse/ sihe da fliegt unversehensein Vögelein in das Zimmer/ und lies-se sich gar leichtlich fangen / welches er/als wäre es von dem Himmel geschickt/dem gottseeligen Mann gekochet/ deres auch gessen / und gesprochen: SeyeGOtt gelobt / wie hab ich heut ein sostattliche Mahlzeit gehabt. Und alsnun sich die K'ranckheit also verweile»ist er an St. Thonui deß Apostels A-bend/ dieweil er sich etwas bessers be-funden/ ausgestanden/ und gebettet /bald darauff käme ihn ein grosses grau-sen an / daß er sich lviderum in dasBeth begeben/gebeichtet/und begehrtdie 7. Bußpsalmen mit der Lytaney /auch die Gebet! / so man bey den Ster-benden zugebrauchen pflegt durch dieBrüder zusprechen. An dem folgendenLag hat er das hochheilig Sacramentmit höchster Andacht empfangen / wel,ches er selbst begehrt / die H. Oelunggab man ihme nach Mittag. Als ernun die Augen zu der Thür gewendt /hat er nut den Fingern darauff gedeu-tet sprechende: Sehet ihr nicht/ sehetihr nicht ? aber die um ihn waren/ sa-hen nichts / doch hat niemand daran ge--weifflet / daß er nicht ein HimmelischeErscheinung gehabt habe. Er hat oftmit grosser Andacht das H. Creutz ge-rüstet/ und dasselbige in einer Handgehalten/ in der anderen Hand aberhielte er ein geweyhete brinnende Ker-tzen ohn einige Anzeigung deß Schmer-tzens/ oder Todtsnöthen/und also gä-be er seinen H. Geist auf in die Hündseines Schöpffers in dem Jahr 1597- anSt. Thomä deß Apostels Tag / einwenig mehr als ein Viertel vor 4. Uh-ren deß Abends / seines Alters indem77» Äahr.
Bey difem feeligen End haben sichbefunden Herr Sebastianus Veronius/Probst bey St. Niclausen/ 2. PP.Capucini / 2. deß Raths / und dasantze Collegium/ welche alle herumnyeten/und betteten. Über ein Stundhernach hat sein Angesicht vil schönergeschinen/ als weil er gelebt hatte/anden Handen hat sich auch ein liebliche/und rosenfarbe Färb sehen lassen. Alsnun der Todt in der Stadt kundtbahr
worden/ ist ein grosses Leyd bey jeder-mann entstanden / und hat so wohl dieClerisey/ als der Stadt-Rath sich be-rathschlaget / an welches Orth sie Visen"teuren Mann / nach seinen Würden be-statten könten/ oder sollen / und end-lich einhelliglrch beschlossen / daß manihn solteindie fürnehmsteKirchenzu St.Niclausen für den hohen Altar begra-ben. Deß folgenden Tags aber/ eheund zuvor man ihn in die Pfarrkirchengetragen/ haben ihn die Patres in ihrCapell gesetzet/ und ihn daselbst nachChristlichem brauch bestmgen. DieBaarstunde allda zugedeckt / so bald mana-ber das Luch hinweg gethan/ und dasVolck das schöne/ und lebhaffteAnge,-ficht gesehen / ist erstlich ein grosses seuff-tzen/ und weinen/ und folgentS ( alsein jeder den S. Leib mit seinem Paternoster berühren wöllen ) ein solches ge-rreng entstanden / daß nicht außzuspre-chen. Nach Mittag um z. Uhr/ ist dieLeicht mit vorgehender Clerisey / undBegleitung dergantzen Stadt/und Len-kung aller Glocken zu St. Niclaus ge-tragen worden / und nach der gelung-nen Veiper/ hat der Hr. Probst Vero-nius ein L,eichtvredig gehalten. End-lich zu Nackt ( dann man dem andclch-gem Volck bey z. Stund die Begräb-nus auftschieben müssen ) ist der ver-storbne Leib/ auß welchem ein überna-türlicher / und lieblicher Geruch gebüh-ret worden/ in das verordnete Grabbegraben worden. Es haben 4. leib-liche Brüder / die Edlen von Dießbach/einen vom weisem Marmel Stein überdas Grab legen / und Herr JohannWild ein schönes Epitaphium/ oderGrabschriftt an die Wand hencken las-sen. Die Chorherren aber bey St. Ni-clausen hielten dem Gottseeligen Cani-sio sein Sibendten / und dreyssigstenTag mit Andacht / und herrlichen Kir-chen » Gepräng. Zu Freyburg haltman in gemein darfür / daß PetrusCanisius seye in seinem Todtbeth ge-betten worden / er solle die Stadt vorder bösen Sucht / oder Pest / so vordisem offt darin zuregieren gepflegt hat/behüten / und verwahren / dessen er sichauch anerbotten/ und versprochen hab.Und sagen auch gemelte Freyburger /nicht ohne sonderbahre Danckbahrkeit/daß von derselben Zeit an/solche Suchtin ihr Stadt nicht kommen seye / oderdoch nicht weit um sich griffen habe /ob sie gleichwohl in der na'he starck umsich gerissen. Wie unden bewisen wird/wann wir sonderbahre Zeichenwerden anzeigen.