Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
472
JPEG-Download
 

472 Von dem Gottseeligen Fidele/

das Huatier seines Widersachers zustürmen / und die von der Wuth ihres(^ommeriäanren angesezte Soldatenstunden schon in der Bereithschaßt aufendliche Ordre die Haußthür aufzu-sprengen/ hinein zu tringen/ und alleInnwesende mit Anrichtung eines er-bärmlichen Blut - Bads ihrem Grim-men aufzuopfferen/ bey so gefährlichaussehender Sach wäre das übleste /daß keiner auch von den vornehmenSradtherren so vil Hertz gehabt/ demZorn/ und Vorhabens dises Genera-len in Weeg zu stehen / und solche be-sorgende Nrderlag zu verhinderen; bißdessen der gottseelige Diener GOttesFidelis verständiget worden. Diserhat sich irnverweilet aufgemacht / unterdie Bewaffnete eingetrungen/ und siedurch seine Gegenwart / und Beredsam-keit zum Abstand ihres Blut-durstigenVorhabens bewegt. Daranwendete ersich zu dem Herrn General / weicheremgebohrner Lothringer wäre/redete ihn inFrantzvsischer Sprach mit einer solchenlieblichen Wohlredenheit/ und mit einersolchen ernsthaffts Vorstellung der kräff-tlgste Beweg Ursachen an / daß diser au-genblicklich aus einem ergrimten Löwenzu einem sanfftmüthigen Lämmlein ver-änderet gesehen worden : Seitemahlener alsobald nicht nur das Gewehr ein-gesteckt/ sondern auch seine Unterha-bende beordnet/ im Friden ab-und inihre Quartier zu ziehen/ mit höchsterVerwunderung aller Welt/ welche sam-menrluch darauf gestünde/ daß solchesein Werck der Allmächtigen durch Fi-delem würckenden Hand GOttes seynmüsse. Summa : In allen Gelegen-heiten äusserte sich seine angestammteLiebs < und Dienst - Vegterd / also / daßkein so Mittel loser armer/ kem so ver-lassene Wittib/kein so betrübtes Wayß-lein / kein anderer so Hülffbedürffttger/undertruckrer Mensch gewesen / der th-ue nicht allzeit zu Steur/ oder Ab-hälft aller Bedürfftigkeiten fertig / undbereitwillig angerroffen hätte. Erhate kein Bedencken gemacht / sich ineigner Persohn denen Gerichten/Ma-gistraten/ und anderen hohen Mini-strrs vorzustellen / auch an den Ertz-Herzogcn Leopold selbsten Vittschriff-ten abzugeben / jene Gerechtigkeit zuerzwingen / vor welche einzukommensich andere nicht einmahl unterstandenhätten. Sein Hertz hatte also keineandere Ruhe/ als in der unruhigenBewegung durch allerhand Liebsdienst/welche dann in vilen Begebenheiten denGöttlichen Beystand Handgreifstich ne-ben sich hatten. Einsmahls wardeer berußen einer krancken Frauen bey-zustehen/ an deren Wlderaufkunfft

schon alles so vil als verzwekfflet wäre/so bald er bey ihr eingetroffen / sagt erohne Scheu zu ihro : Wie daß siebald frisch / und gesund aus dem Kran-cken- Beth aufstehen werde. Mannig-lich befrembdete sich/ diser so freyen Aus-sag/mafhm die Herrn Medici der kran-cken mehr nicht / als etliche wenige Le-bens-Täg zugetrauet. Aber der baldigeErfolg hat der Versorg dises gottseeligkVatters die Wahrheit ertheilt. Dannwie er dem Beth beygenahet/ nähmedie K rancke die Strick - Gürtel des Die-ner-GOttes in ihre Hand/ woraufsie gleichsam in einem Augenblick gebüh-ret/ daß sie ihre Kräfften dermaßenerhöhtet/ als wann sie grad von demTod zu Leben neuer Dingen erwecketwäre worden/ und hat es sich mit rh-ro fort / und fort also gebessert / daß siein wenig Tagen frisch / und gesund vondem Krancken - Bett aufgestanden.Auf eine Zeit begegnete ihme auf demWeeg ein Soldat zu Pferdt / dene ervormahls weder gekennet/ noch seinesWissens gesehen. Er stehet still / denSoldaten recht zu betrachten/ den erdann folgendes angeredt- Freund! ihrhabt schon ein geraume Jett ein sehrunanständige Gewohnheit zu schwö-ren / und zu fluchen ; und was nochmehr/ so habt ihr biß anhero noch nieeinigen Fielst angewendet diß abzu-thun. Aber wisset / deß dise die letsteWarnung/ welche euch GOrt durchmeinen Mund zuschicket. Folget ihrdiser / wohl gut / wo nicht / so wirddie bald einbrechende Raach GOrrcsdlsem euerem Leben ein erbärmlichesEnd machen. Er wüste so gar die Ar rhdiser bevorstehenden Raach GOttes /und bedeutete ihm / er würde mit einemDegen tvdrltch durchrennet werden. Di-ser freche Gottslästercr aber lachte sol-cher Verrohung nur / setzte seine Reiß/und böse Gewohnheit fort / bitz überein kurtzcs die Vorsugung ihre Erfül-lung gezeigt. Seitemahlen der Böß,wicht bald hernach mit eimm seinen Ca-meraden in einen hitzigen Wort-undZwey-Kampff zerfallen; da beede vomLeder gezuckt/ und der andere disem ar-men Tropffen einen solchen Stoß ange-bracht/ der ihme den Leib durch / unddurch gebühret / und die unglückseeligeSeel ohne einiges Büß-Zeichen in dieandere Welt geschicket.

Auf gleiche Weiß hat er auch demrebellischen Aufstand der Pündtnerenwider ihren rechtmäßigen Herren; wieauch die bedaurliche hieraus entstehendeNrderlag Visen Vo^cks vvrangesagt :Gleichwvhlen beyfügende/ daß die Oe-sterreichijche Soldaten zwar auf einer

Sei-