Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
484
JPEG-Download
 

484 Von dem Gottseeligen Fidele/

aller verzweifflet / und der Selbst-Ver-brennung zu entrinnen darvon gelösten.Der Herr General befähle zwar festzu halten / und mit Wasser zuzulauften/und der anruckenden Brunst den Fort-lauff abzuschneiden; aber die Gefahrwollte keinem gestattn zu gehorsamen:Dann die von dem Wind angeblasen/und getribene Flammen lenckten sichschon gegen dem Tach / welches dasPulver - Magazin bedeckte. In diseräussersten Bestürtzung erinnerte sich derfromme Herr General des seeligen Die-ners Christi / erhebt seine Augen inHimmel/ und rüstet mit lauter Stim :G Gütigster GOTT! wann p. Li-delis Heilig ist/ so verschaffe/ daßdurch sinne Verdienst dises in Gefahrstehende Schloß samt der lVIuliicionerhalten werde. O Wunder! gleichauf dise kurtze Anruffung hat ein gah-ling daherblasender Sturmwind dreFlammen von dem Castell gleichsamabgeholet / und änderst wohin getriben/auf eine solche wunderliche Arth/ inwelcher so gar ein Blinder ein offen-bahres Miracul hätte sehen/ und fin-den können. So das Wunderwercknoch scheinbahrer machte / wäre dises:Auf Ordre des Herrn Generalen seynddie Soldaten noch an selbigen Tag in dieBurg hinein gegangen/ welche dannmck Augen gesihen / daß einige Stückvon feurigen Balcken in das mit 40.Fäßlein Pulver belegte Orth heruntergefallen. Was noch mehr: So hatman ein Tag zuvor den Soldaten ih-re Pulver - korliones ausgetheilt/ des-sen dann vil aus Unsorg auf den Bo-den hin-und wider ganh dick verstreu-et läge / ohne das weder in jenem /uoch in disem Fall ein Unglück entstan-den. So gar seynd auf dem hin-undwider gesagten Pulver brennende Koh-len gelegen/ worüber sich die hinein-gehende zwar entsetzet/ aber von demaugenscheinlichen vorigen Miracul be-hertzt die brennende Kohlen zertretten/zermahlen/ und das Feur gleichsam mitdem Pulver/ als mit Wasser ausge-löscht haben. So wohl hochgedach-ter Herr General Grast Ludwig vonSultz / als auch seine Herren Officiers/und Soldaten haben sich dises unlaug-bahren Wunderwercks nicht nur fürAugen-Zeugen / sondern auch ihre Ge-zeugnuß mit Eydschwür bestätiget; da-rauf bestehende / daß dises eines vonden vornehmeren Wunderwercken seye/welches die Allmacht GOttes gewür-cket habe.

Dise Wunderwürdige Zutragun-gen Habs feyrlich in dem gantzen Kriegs-Heer die Andacht zu Visen kostbahren

Reliquien vermehret; dahero diser Ca-tholische General kaum hätte könnenberedet werden / solche von sich zu las-sen / wann nicht der seeltge Märtyrerihme in einer ernsthafften Gestalt er-schienen wäre/ der / ohne daß er einWort geredt/ sich alsobald umgewen-det/ und gleich einem erzörnten ihmeden Rucken gekehret. Dises setzte denfrommen Herrn General in eine Be-stürtzung/ in welcher er sich nicht findenkunte; weil aber dise Erscheinung z.Nächt nach einander geschehen / hat erendlich wohl gemerckt/ was der seeligeDiener Christi darmit wollte/ nehm-lich/ daß sein Leib in öffentlichen Feld-Lager unter den Soldaten nicht längersollte aufgehalten werden; deßwegener allen Fleiß dahin gekehret/ wie erVisen nach 16. tägiger Verwahrung mitallem möglichen Pomp/ und Prachtdem Churischen Thum- Grifft einliffe-ren könnte. Er veranstaldete alles zneiner prächtigen Ab-und Einfuhr; erliessezubereithen einen Triumph-Waa-gen/ welcher zimlich Majestätisch he-raus spihlte. Aufdssen ladet er denEhrwürdigen Leib/ hiemit wurde den5. Novembris Ano 1622. unter Beglei-tung etlicher Capuciner / und des Ca-tholischen K riegs - Heers/ da die Her-ren Officirs in hochfeyrlicher Galla er-schienen/ aufgebrochen. Wie derZug ohnweit Chur angelangt/ hat derHerr General Grast Ludwig sechstensich die Ehr gegeben/ in eigener Per,söhn dem Hochwürdigisten Herren Bi-schofs hiervon die Bottschafft zu brin-gen : Welche / wann sie Visen wegenWürdigkeit des Bottschaffters wenigernicht/ /rls höchst angenehm; ist siech-me doch wert angenehmer gefallen we-gen Kostbarkeit der Sach / nach wel-cher er schon so lange Zeit geseufftzet /und auch schon mögliche Anstaltung vor-gekehret/ Visen theuren Schatz mit al-ler Feyrlichkeit einzuholen. Nach di-sem hat sich der Herr General widerumzur Stadt hinaus begeben/ und dieSach so eingerichtet/ daß diseH.Ge-beiner auf ein erhöchtes Gerüst/ demeder Waagen gleichsam zu einem Fuß-Gestell dienen solte/ gelegt. DieTodten-Baar mit einem kostbahrenGoldblümigen seidenen Teppich be-deckt/ und endlich mit einer zierlichenCron/ und Palm-Zweig behengt wor-den. Die Soldaten warteten in schö-ner Ordnung/ unter annehmlicher Mu-sic/ des Hochwürdigisten Herren Bi-schosis ; der auch bald darauf in Bi-schöflichem Aufzug bey dem Stadt-Thor von denen Hochwürdigen Thum-Herren / und gesamterClerisey beglei-tet erschienen. Er besucht / daß dise