484 Von dem Gottseeligen Fidele/
aller verzweifflet / und der Selbst-Ver-brennung zu entrinnen darvon gelösten.Der Herr General befähle zwar festzu halten / und mit Wasser zuzulauften/und der anruckenden Brunst den Fort-lauff abzuschneiden; aber die Gefahrwollte keinem gestattn zu gehorsamen:Dann die von dem Wind angeblasen/und getribene Flammen lenckten sichschon gegen dem Tach / welches dasPulver - Magazin bedeckte. In diseräussersten Bestürtzung erinnerte sich derfromme Herr General des seeligen Die-ners Christi / erhebt seine Augen inHimmel/ und rüstet mit lauter Stim :G Gütigster GOTT! wann p. Li-delis Heilig ist/ so verschaffe/ daßdurch sinne Verdienst dises in Gefahrstehende Schloß samt der lVIuliicionerhalten werde. O Wunder! gleichauf dise kurtze Anruffung hat ein gah-ling daherblasender Sturmwind dreFlammen von dem Castell gleichsamabgeholet / und änderst wohin getriben/auf eine solche wunderliche Arth/ inwelcher so gar ein Blinder ein offen-bahres Miracul hätte sehen/ und fin-den können. So das Wunderwercknoch scheinbahrer machte / wäre dises:Auf Ordre des Herrn Generalen seynddie Soldaten noch an selbigen Tag in dieBurg hinein gegangen/ welche dannmck Augen gesihen / daß einige Stückvon feurigen Balcken in das mit 40.Fäßlein Pulver belegte Orth heruntergefallen. Was noch mehr: So hatman ein Tag zuvor den Soldaten ih-re Pulver - korliones ausgetheilt/ des-sen dann vil aus Unsorg auf den Bo-den hin-und wider ganh dick verstreu-et läge / ohne das weder in jenem /uoch in disem Fall ein Unglück entstan-den. So gar seynd auf dem hin-undwider gesagten Pulver brennende Koh-len gelegen/ worüber sich die hinein-gehende zwar entsetzet/ aber von demaugenscheinlichen vorigen Miracul be-hertzt die brennende Kohlen zertretten/zermahlen/ und das Feur gleichsam mitdem Pulver/ als mit Wasser ausge-löscht haben. So wohl hochgedach-ter Herr General Grast Ludwig vonSultz / als auch seine Herren Officiers/und Soldaten haben sich dises unlaug-bahren Wunderwercks nicht nur fürAugen-Zeugen / sondern auch ihre Ge-zeugnuß mit Eydschwür bestätiget; da-rauf bestehende / daß dises eines vonden vornehmeren Wunderwercken seye/welches die Allmacht GOttes gewür-cket habe.
Dise Wunderwürdige Zutragun-gen Habs feyrlich in dem gantzen Kriegs-Heer die Andacht zu Visen kostbahren
Reliquien vermehret; dahero diser Ca-tholische General kaum hätte könnenberedet werden / solche von sich zu las-sen / wann nicht der seeltge Märtyrerihme in einer ernsthafften Gestalt er-schienen wäre/ der / ohne daß er einWort geredt/ sich alsobald umgewen-det/ und gleich einem erzörnten ihmeden Rucken gekehret. Dises setzte denfrommen Herrn General in eine Be-stürtzung/ in welcher er sich nicht findenkunte; weil aber dise Erscheinung z.Nächt nach einander geschehen / hat erendlich wohl gemerckt/ was der seeligeDiener Christi darmit wollte/ nehm-lich/ daß sein Leib in öffentlichen Feld-Lager unter den Soldaten nicht längersollte aufgehalten werden; deßwegener allen Fleiß dahin gekehret/ wie erVisen nach 16. tägiger Verwahrung mitallem möglichen Pomp/ und Prachtdem Churischen Thum- Grifft einliffe-ren könnte. Er veranstaldete alles zneiner prächtigen Ab-und Einfuhr; erliessezubereithen einen Triumph-Waa-gen/ welcher zimlich Majestätisch he-raus spihlte. Aufdssen ladet er denEhrwürdigen Leib/ hiemit wurde den5. Novembris Ano 1622. unter Beglei-tung etlicher Capuciner / und des Ca-tholischen K riegs - Heers/ da die Her-ren Officirs in hochfeyrlicher Galla er-schienen/ aufgebrochen. Wie derZug ohnweit Chur angelangt/ hat derHerr General Grast Ludwig sechstensich die Ehr gegeben/ in eigener Per,söhn dem Hochwürdigisten Herren Bi-schofs hiervon die Bottschafft zu brin-gen : Welche / wann sie Visen wegenWürdigkeit des Bottschaffters wenigernicht/ /rls höchst angenehm; ist siech-me doch wert angenehmer gefallen we-gen Kostbarkeit der Sach / nach wel-cher er schon so lange Zeit geseufftzet /und auch schon mögliche Anstaltung vor-gekehret/ Visen theuren Schatz mit al-ler Feyrlichkeit einzuholen. Nach di-sem hat sich der Herr General widerumzur Stadt hinaus begeben/ und dieSach so eingerichtet/ daß diseH.Ge-beiner auf ein erhöchtes Gerüst/ demeder Waagen gleichsam zu einem Fuß-Gestell dienen solte/ gelegt. DieTodten-Baar mit einem kostbahrenGoldblümigen seidenen Teppich be-deckt/ und endlich mit einer zierlichenCron/ und Palm-Zweig behengt wor-den. Die Soldaten warteten in schö-ner Ordnung/ unter annehmlicher Mu-sic/ des Hochwürdigisten Herren Bi-schosis ; der auch bald darauf in Bi-schöflichem Aufzug bey dem Stadt-Thor von denen Hochwürdigen Thum-Herren / und gesamterClerisey beglei-tet erschienen. Er besucht / daß dise