Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
496
JPEG-Download
 

4-6 Von dem Gottseeligen Fidele/

Anruffung allerdings vorgekommen ;indeme die gequälte gleich ohne andererZuthun / und sonderes Schmertzen einlebendiges Mäadlein gebohren/so gleich-wohl an demselven Armb gantz schwartz/faul / und todt wäre. Die gute Mut-ter mit neuen Glauben angefrischet /setzet durch ihr Gebett noch einmahl anden seeligen Fidelem/ ihn auflehnende/er möchte doch ihrer Leibs - Frucht dievöllige Gesundheit verschaffen / nachde-me er selbe aus dem Rache deßTodes ge-rissen : In welchem Fall verlobet sie miteinem silbernen Armb seine Heylthumerzu beehren. Worauf dann der gantzverdorrte Armb völlig gesund/und demanderen durchaus gleich worden.

Ein so schmertzhaffte Geburt hateben sehr schlimme Fußstapffenr Nehm-lichen allerhand befthwärliche Zufall /und innerliche Schmertzen in dem An-geweyd nach sich gelassen/ wie sie solcheschon 6. Lag lang achtzende geklagt.Was wollte sie aber änderst thun / alsden seeligen Fidelem mit der dritten an-dächtigen Ungestümmigkeit überfallen?Vene sie dann auch mit nochmahligenBitten / und Betten Zu ihrem Vortheil/und also gewunnen / daß sie noch andemselbigen Tag gantz Schmertzen frey/und bekräfftct von Beth aufgestanden /als ob ihr niemahls nicht gefehlt hätte;denen Hauß Geschäfften nachgelösten /und hiermit alle in die Verwunderunggebracht; welche ihr dem grossen G0tt /und dem wohlthätigen Märtyrer Fide-li die versprochene Danck-und Gelübd-opffer abzustatten beygeholffen haben»

Ein anderes Weib von Feldkirch /Susanna Embserin rühmet auch an /und erhebt mit Lob-Sprüchen die All-macht GOttes / so sich bey ihr durchein schembahres aus Vorbitt Unseresseeligen Märtyrers Fidelis würckendesMiracul sehen lassen. Es haben diedurchtringende / und schon 4. Lag / und,Itacht würckende-Geburts-Wehe ih-vp die Seel bereits aufdaß äusseristedekkippen hinaus gekribk-Weil dan die Me-dici die Leibs - Bürde allen Anzeigun-gen nach abgestanden geglaubt/ habensie wenigst die Mutter lebendig zu er-halten allen Fleiß vorgekehret. Indes-sen wüsten einige beystehende andächti-ge Persohnen von der schon sehr vilenvotträgllch gewesenen Vorbitt deß see-ligen Fidells Wunder zu erzehlen;mit-hin der Nothleydenden auch einen Lustzu machen etwas dergleichen zu erfah-ren. Bemüheten sich entzwischen unterder Hand das Lrinck Geschirrtem / undhänffene Strick-Gürtel deß seeligen Fi-delis zubekommen; sprechen der Äran-

cken eine zuversichtliche Andacht / undVertrauen gegen dem seeligen Märty-rer ein; Umgürten sie mit derselben ge-weichten Gürtel/ geben ihr aus demGeschirrlein etliche Tropssen Wasser zutrincken / welche Verrichtungen so kräff-tige waren / daß sie gleich / und ohn-schwär ihrer Leibs Frucht entladen wur-de. Allein die Freud wäre nicht gantz/sondern wohl durch den Anblick einesgebohrnen stinckenden Todten-CörperSin der Gebährerin/ Und deren Befreun-den mit höchstem Leyd verderbt. Wi-derholten dannenhero ihr Vertrauen /und Anrüsten gegen Gott/ daß gleich-wie auf Vorbitt deß seeligen Fidelis eegegen der Mutter sich so gnädig erzei-get/also.sich auch in Ansehung der Ver-diensten dises seines so getreuen Blut-Zeugens deß armen Kinds erbarmen /und ihm das Leben ertheilen wolle.Worauf gleich die Begierden ihre Er-füllung/ und das Kind die Wunder-thätige Lebens-'Gnad erreichet. Wiedann dises die Augen eröffnet vor derZeit herum geschauet / und mehr ande-re Zeichen eines völligen Lebens vonsich gegeben. Die hieraus entstandeneFreud nöthigte die Elteren / und Be-freunden ihre obligende Erkanntlichkeitgegen ihren Wunderthätigen Nochhelf-fer mit tausend Lob - Ehr - und Danck-Sprüchen auszudrucken.

Em anders Weib von Altenstattnächst Feldkirch hatte gar wenig Zeitmehr vor der Geburt / und erlitte un-terschidliche sehr grosse Schmertzen: lies-se ihr auch nicht nehmen / als sie sehemit einer todten Frucht tragend. Wiesolches ihr Nachbäurin / Matthäi Lin-sen Ehefrau vermerktet / und selbstenein todtes Kind bey diser armen Tröpf-finvermuthet/ laustet sie ohne Anstandnacher Feldkirch zu der Anna Frickin /und bittet ihro innständig das Lreutz /s dises wäre ein Sonnen-Uhr/ derensich der seelige Märtyrer Fidelis in sei-nen Mißionen gebraucht) vor ein ge-wisse Anligenhrit auf eine Weyl zu leh-nen. Mit disem Heylthum kommt siezu ihk'er Noth/ und Gefahr-leydendenNachbäurin/ bezeugte deroihr hertzli-ches Mitleyden / sonderbahr auch da-'rum/ weil sie in Gefahr stunde / mitVerdopplung ihrer Leydenschafft einestodten Kinds mißtröstliche Mutter znwerden. Bey allem dem rathet dise gu-te Freundin dannoch der Krankten dasHertz nicht gar sincken zu lassen / son-dern dasselbe gegen dem Wunder - mö-genden seel. Fideli aufzurichten / dasCreutz auf ihr Brust zulegk / und derweilden Diener Gottes um seine hülffreicheHand flehentlich auzuruM.Kaum hat sie

di-