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Bericht über den Ersten Verbandstag der Hilfsschulen Deutschlands zu Hannover am 12. und 13. April 1898 / hrsg. vom Ortsausschuss
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Herren auf jährlich Wiederkehr enden Zusammenkünften uns be-raten, mit uns beraten und dann das Ergebnis den Behördengegenüber zur Anerkennung bringen, wird daraus nicht ein grosserGewinn für unsere Sache erwachsen? Auf solche Weise stärkenund stützen wir die bestehenden Schulen, und werden wir zuGründern neuer Hilfsschulen.

Das rechte Verständnis für die Bedeutung der Hilfsschule istan vielen Stellen noch nicht vorhanden, darum haben wir aucheine gewisse Agitation zu treiben; diese aber fällt dem Verbände zu.

In der Keichshauptstadt z. B. hat man sich bis in die Gegen-wart hinein ablehnend gegen die Hilfsschule verhalten, obwohldiese dort von einzelnen Schulmännern, besonders von dem Rek-torenvereine, längst gefordert war. Was man dort jetzt versuchenwill, ruft bei mir den Verdacht hervor, als ob die Herren Berlinerden kleinen Leuten da draussen in den Provinzen oder in denkleinen Staaten nicht gern etwas nachmachen wollen. Sie wollenetwas Heues erfinden und ahnen wohl nicht, dass man ihneneine Neuigkeit auf den Tisch gestellt hat, die bereits 18 Jahre inder Rumpelkammer begraben gewesen ist. Denn im Jahre 1880wurde auf der 3. Konferenz für das Idiotenwesen zu Stuttgart denNachhilfeklassen die Aufgabe zugewiesen, die Kinder für dieVolksschule oder für die Idiotenanstalt vorzubereiten. Wennsie die Klassen diese Zwecke nicht erreichten, seien sieunnütz.

Wir dagegen haben erkannt, dass die Hilfsschule ihre Zöglingeweder für die V olksschule, noch für die Idiotenanstalt vorzube-reiten hat, sondern für das Leben. Daneben haben wir erkannt,dass dieses kein unnützes Beginnen ist.

Auch in Berlin wird diese Erkenntnis zum Durchbruchkommen.

Die Nebenklassen werden zu Hauptklassen umgewandeltwerden müssen und aus diesen wachsen dann Hilfsschulen hervor.

Ich wiederhole: Der Verband hat das Verständnis für dieBedeutung der Hilfsschule zu verbreiten und dadurch zur Grün-dung neuer Hilfsschulen beizutragen.

Ein Studium der Ursachen der Geistesschwäche, ein Studiumunserer Kinder nach ihrer seelischen und leiblichen Eigenart istuns unerlässlich. Hierzu wiederum gehört ein Bekanntsein mitder Anatomie, Pathologie, Psychologie, der Psychiatrie und der