Buch 
Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich : mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder / von Franz Kémeny
Entstehung
JPEG-Download
 

I.

Statistik des französischen Yolksschulwesens.

A) Kleinkinderbewahranstalten (Ecoles materneiles, Sc.enfantines, salles dasile, jardins denfants). Die Kleinkinder-bewahranstalten bestehen in der Regel in Verbindung mit denVolksschulen, aber auch selbständig und werden ausschliefs-lich von weiblichen Kräften geleitet. Ihre Ausdehnung hatinsbesondere seit dem Jahre 1886 zugenommen, wo die Er-richtung dieser Schulen allen Gemeinden obligatorisch ge-macht wurde, so dals derzeit 6000 ecoles materneiles be-stehen. An der Spitze dieser Institution steht für das Seine-Departement Mme Kergomard, der erste weibliche Schul-inspektor Frankreichs, eine Dame, welche auf dem Kongressedes Elementarunterrichtes den deutschen Vertretern gegenübereifrig die Idee verfocht, wonach Mädchen ausschliefslich undKnaben bis zum 10. Lebensjahr nur von Lehrerinnen unter-richtet werden sollen. An Gegenständen werden den Kindernaufser Handfertigkeiten hier schon Lesen, Schreiben, Rechnenund Zeichnen beigebracht. Die ausgestellten geschmackvollenArbeiten, Systeme und Photographien von Einrichtungen undGebäuden veranschaulichten nicht allein den Durchbruch hygieni-scher und praktischer Gesichtspunkte, sondern unterschiedensich gegenüber den übertriebenen und mechanischen ManierenFröbelschen Systems vorteilhaft durch eine mehr auf das In-dividuelle gerichtete, geistigere Behandlungsweise. Der soge-nannte Pavillon des enfants ist ein spekulatives Privat-unternehmen, das zur geräuschvollen Unterhaltung kleiner undgrofser Kinder dient und mit der Pädagogik nichts zu schaffenhat. Andere in dieses Kapitel gehörige Einrichtungen, ins-besondere die Assistance publique werden unter dem Titel»Vereine« weiter unten besprochen.

Litteratur. Mme Kergomard: Leducation matemelle dans Vtfcole(Hach, 3 Fr, 50). Mme Pape-Carpantier: Conseils sur la direction