Buch 
Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich : mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder / von Franz Kémeny
Entstehung
Seite
13
JPEG-Download
 

Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich.

*3

untersuchen, zu denselben Schlufsfolgerungen: »Der Unterrichtder Moral wird in unseren Schulen weder erteilt, noch ver-standen . . . Die Kinder verlieren den Begriff der Achtung undder Pflicht aus Mangel an einem Moralunterricht . . . Die Meisterweigern sich Lehrlinge aufzunehmen wegen der Unannehmlich-keiten, welche ihnen durch die Verantwortlichkeit für die Jungenaufgebürdet wird«. Überhaupt ist der enseignement moral eteivique der ganzen klerikalen Partei und ihrem gelehrtem Ober-haupte, dem Herzog von Broglie, von Herzen zuwider. Dieseräufserte sich gelegentlich der Jahresversammlung der Oeuvredes Fr er es des Ecoles chritiennes in einer sehr abfälligen Weiseüber den Verfall der Moral in den öffentlichen Schulen (ecolesla'fques), dem er die geistlichen Ordensschulen gegenüberstellt,weLhe trotz der herrschenden Ungunst und Verfolgungen einstetes Erstarken aufweisen. Mit der Verweltlichung der Schulenhinge auch die Vermehrung der jugendlichen Verbrecher zu-sammen, deren Zahl innerhalb dreier Jahre 188689 von23,000 auf 27,000 zugenommen habe. Auf die Frage des Schul-inspektors »Welchen Moralunterricht haben Sie in diesem Monaterteilt? soll ein Lehrer geantwortet haben: Herr Inspektor wirhaben über die verschiedenen Ministerien gesprochen. DerMoniteur ruft mit bitterer Ironie aus: »Die beschränkte Macht-sphäre des Präsidenten der Republik, welcher über keine »selb-ständige Gewalt« verfügt, die »Minister, welche dem ParlamenteRechenschaft schuldig sind«, »die Grundsätze, auf welchen dieAnnahme der Gesetze beruht«, . . . wie gut das alles in dasGehirn dieser 8- bis 12-jährigen Knirpse pafst und wie richtighierdurch die religiöse Moral ersetzt wird! 1 Auch der Vice-präsident des Pariser Volksschulunterrichtsrates ( vice-recteur del'Acadimie) weist dasselbe moralische Gebrechen nach und derUntersuchungsrichter G u i 11 o t bricht in den folgenden Schmerzens-ruf aus: »Es unterliegt keinem Zweifel: die Zunahme der Ver-brechen bei den jungen Leuten fällt mit den Neuerungen, welchein den öffentlichen Unterricht eingeführt wurden, zusammen.

Auch Fleischner erwähnt (a. a. O. S. 20 ff.) nach ProfessorLichtenberger, dafs auf Grund der vom Unterrichtsminister ab-verlangten und eingelangten 558 Gutachten über die Resultatedes Moralunterrichtes »das Urteil über die bisher erzielten Er-folge und über die bisher angewandte Methode kein unbedingtgünstiges ist.«

Aber auch an Klagen allgemeiner Art fehlt es nicht, diesich im Besonderen auf die geistige Überbürdung richten. Ineinem Vortrag, den Jules Simon am 20. Januar 1889 in Lille

eigentlichl°i sur la InicM vom 30. Oktober 1886, dessen Art. 17 be-stimmt, dafs in allen öffentlichen Schulen das Lehramt ausschliefslichvon weltlichen Lehrern ausgeübt werde.