Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich.
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man mich hoffentlich nicht der Spionage zeihen, wenn ich einge-stehe, dafs ich auf der Ausstellung eine förmliche patriotische(l)Lehr- und Lesebuchlitteratur entdeckt und durchgestöberthabe, wovon ich hier beweishalber nur einige Titel anführenmöchte. So: Amour sacre de la patrie, par A. Clayton,Episode de la guerre de 1870—1671 (Picard 4. ed. 176 S.I fr. IO); Vice la France , par E. Hanriot (P. 8 ed. 264 S.1 Fr. 25); Le petit Frangais, par Ch. Bigot (Maurice). Indemillustrierten Buche itappes d'un bataillon scolaire“ par EdmondNeukomm“ *) (Delagrave 2. ed 200 p.) findet sich in Verbin-dung mit der Pendulenlegende der schneidige Ausdruck ,, Canailleallemande l ‘; ein anderes ,,Ae livre de la patrie“ par Benner endetcharakteristisch genug mit V. Hugo’s Gedicht ,, IJavenir “ undL. Ratisbonne’s Alsacienne“, dessen Endzeilen in Überein-stimmung mit Oberst Stoffel also lauten:
Je m'appelle VAlsace orpheline et j’attends
Non pas mon fianci, mais la France, ma mere!
Das Vorwort Gabriel Vicaire’s zu diesem im Jahre 1886in 11. Auflage bei G. Maurice erschienenen Buche enthältfolgenden Passus : »Der Reihe nach beschreibend und lyrisch,ist dieses Buch vor allem der Ausflufs einer patriotischen Idee.Es enthält Frankreich selbst und alles, was es an Grofsem, Frucht-baren und Erhabenen aufweist, erzählt und verherrlicht vonseinen besten Schriftstellern, von jenen, welche es am bestengekannt und am meisten geliebt haben.« Gemäfsigt und inseiner Art ganz empfehlenswert sind die I^ectures patriotigues svrl’histoire de France, ä l’usage des ecoles primaires, par J.D.Le-frangais. Ouvrage couronne de VAcadimie des Sciences morales etpclitiques (Delagrave 3. ed. 1885); der darin zitierte Aussprucheines englischen Dichters: „la France est le soldat le Dien“ er-scheint uns ganz poetisch. Gleichfalls empfehlenswert in seinerAnlage sind Xes jtmmes panpaises par M. Jules Guy (Maurice,3. ed. 1888), während die Instruction morale et civigue des jeunesflies par Mme H. Greville ebenfalls von Übertreibungenwimmelt.
An Stelle des Tadels tritt aber bereitwillig die Anerken-nung , sobald man auf Zeichen einer vernünftigen, nicht über-triebenen patriotischen Erziehung trifft. Darum darf man billiger-weise keinen Einspruch erheben, wenn das vaterländische Momentin den schriftlichen Ausarbeitungen und in der dekorativen
*) Die obskure Individualität dieses verdächtigen Verfassers trittin seinen neuesten Machwerken „Guillaume II. et ses soldats“ und „ Berlintel qu'il est‘‘ noch mehr hervor. Unwissenheit und Verdrehung überbietensich darin, was Le Figaro nicht hindert, die grofse Sensation zu kon-statieren, welche diese »Werke« hervorgebracht haben.