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Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich : mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder / von Franz Kémeny
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Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich.

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werden zwei Tafeln benützt: die eine (Gröfse 20 X 30 cm) dientfür die Berechnung, die andere (Gröfse IO X 12 cm) für dieResultate. Die kleinen Tafeln werden von den Bank-Erstengesammelt und in einem Rahmen auf dem Katheder in analogerReihenfolge mit den Sitzplätzen vor den Augen des Lehrersausgebreitet, wodurch es möglich wird, die Arbeiten in wenigenMinuten zu prüfen, zu klassifizieren, Stichproben zu machenu. s. f. Die Schüler, welche unterdessen an einem neuenProblem arbeiten (wer beaufsichtigt sie dabei, wenn der Lehreranderweitig beschäftigt ist!?), werden behufs Erschweren desAbschreibens nach der Reihenfolge ihrer Plätze in drei Ab-teilungen gesondert, deren jede verschiedene Daten aufzuarbeitenhat. Die Vorteile dieser Methode sind gleichmäfsige und gleich-zeitige Beschäftigung einer ganzen und zahlreichen Klasse, un-mittelbare rasche Korrektur der Aufgaben, stetes Erhalten derAufmerksamkeit der gesamten Schülerzahl durch präzise, an dieganze Klasse gerichtete Fragen; endlich gewöhnen sich dieSchüler an pünktliche und rasche Arbeit, gewinnen Selbstver-trauen und werden vor Unthätigkeit bewahrt; auch dienen dieBewegung und Abwechslung zur Beförderung des hygienischenWohlseins. Für den Zeichenunterricht ist an dieser Anstaltdie methode Dupasquier in Verwendung, bei welcher die Schülerim Kreise um ein Modell herumsitzen und dasselbe nach derjeweiligen Lageä la planchette (d. h. einseitig) wiedergeben.Zahlreiche gediegene Methoden und Vorlagen für den Zeichen-unterricht veröffentlicht als Spezialität die Pariser Verlagshand-lung A. Fouraut.

Soweit in Kürze die offizielle Darstellung, an welche wireinige persönliche Bemerkungen knüpfen wollen. Es dünktuns nämlich, dafs diese Unisono-Methode in Wirklichkeit denndoch nicht so ganz glatt und rasch ausgeführt werden könne,dafs die Anzahl der unvorhergesehenen Störungen in gerademVerhältnis zu jener der Schüler und zu den persönlichenMängeln des Lehrers zunimmt, und von dieser Seite vor allernein scharfes und geübtes Auge und einen regen Geist, sowieEnergie voraussetzt.

Eines der aufgestellten Modelle veranschaulichte einen voll-ständig ausgestatteten Lehrsaal, worin 98 (!) Schüler an ihrenTafeln arbeiten, während am Katheder zwei Personen, derLehrer und wahrscheinlich ein Gehülfe, sichtbar sind.

D) Hefte. Eine ganz besondere Eigentümlichkeit undpädagogische Vermittlerrolle haben derzeit die Hefte erlangt.Wer sich der gewifs nicht allzugrofsen Mühe einer vollständigenSammlung derselben unterziehen würde, könnte diesem Gegen-stände eine ganz nette Monographie abgewinnen, deren Grund-züge wir in Folgendem andeuten wollen. Kein Geringerer als