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Franz Kemeny.
Von Spezialanstalten nennen wir die JEcole Bischoffsheim.und die Maisons d’iducation de la Legion d’honneur. Erstereist ein privates Mädchenpensionat in Paris, das sich vorwiegendaus dem Orient ergänzt. Die Schilderung der in der Regelbedeutenden Fahrt vom elterlichen Hause bis in die Anstaltist ein ganz glücklicher Gedanke, während schriftliche Defini-tionen und Erläuterungen aus den bürgerlichen Kenntnissen undbis aufs Lateinische zurückgehende etymologische Untersuchungen,deren wir eine über das Wort „ pourboire“ zu Gesicht bekamen,den billigerweise zulässigen Rahmen bereits durchbrechen. —Die drei Mädchenerziehungsanstalten des Ordens der Ehren-legion in Saint-Denis, licouen und Loges haben dieBestimmung, Töchtern der Ordensmitglieder vom 14. bis18. Lebensjahre eine zum selbständigen Lebenserwerb befähi-gende Erziehung und Ausbildung zu geben. Von den 800 Schüle-rinnen, welche ihre Kleider selbst verfertigen und abwechselndan der Wirtschaft teilnehmen, wird ein Teil zu Lehrerinnenfür höhere Töchterschulen, ein anderer zu Handarbeiterinnenherangebildet. Die ausgestellten geschmackvollen und kost-baren Arbeiten bildeten das Entzücken aller Damen, wir Männerjedoch wagen schüchtern zu fragen, ob jene Novizen in derHandhabung des Kochlöffels wohl ebenso bewandert sind wie injener der Nähnadel?
Die bereits oben eingehend geschilderte Lyoner Muster-schule besitzt unter gleicher organischer Verwaltung auch eineAbteilung für Mädchen: L'JEcole la Martiniere des Filles , welchein einem dreijährigen Kurse aufser einem allgemeinen für den-selben Jahrgang gemeinschaftlichen Unterricht noch eine nachvier Sektionen gegliederte gewerbliche Fachausbildung erteilt.Gegenstände der allgemeinen Abteilung sind auch Hauswirt-schaft und Handfertigkeitsunterricht, jene der Sektionen fürden Handel: Schreiben, Buchhaltungskunde, Englisch, für dasgewerbliche Zeichnen: Komposition, Steindruck und Fabriks-zeichnen; weitere Sektionen bestehen für Kleider, Konfektionund Kunststickerei. Der Unterricht wird zum Teil von denLehrern der Knabenschule erteilt und ist nur für externe Zöglingeunentgeltlich, alle Gegenstände der allgemeinen Abteilung undder betreffenden Sektion sind obligatorisch, die Schlufsprüfungenfinden vor aus Spezialisten zusammengesetzten fremden Kom-missionen statt, Diplome ersten und zweiten Grades werdenausgefolgt, auch wird seitens der Anstalt für die Anstellung ge-sorgt. Die höhere Ausbildung und die Ausführung speziellerAufträge ist entlassenen Schülern durch Zutritt zu den Ateliersauch späterhin gestattet.
Litteratur. Camille See: Zycdes et Colleges de jeunes filles , 2 ed.(P. Cerf, 1889, 10 Fr.). — Mlle Clarisse Juranville: Le savoir-faire etlesavoir-