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Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich : mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder / von Franz Kémeny
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V.

Weiblicher Unterricht.

Ich beabsichtige durchaus keine erschöpfende Darstellungdieses Unterrichtszweiges, sondern möchte blofs den bei denFortschritten des Volksschulunterrichtes und den Vereinen(siehe unten) gegebenen Daten einige Ergänzungen hinzufügen,welche sich zum Teil auf Spezialinstitute beziehen.

Neben den theoretischen Unterrichtsgegenständen, welchein den Schulen für beide Geschlechter nur geringe Abweichungenzeigen, verfolgen die Mädchenschulen vorwiegend praktischeZwecke und wollen ihren Schülerinnen durch selbständigeErwerbszweige den Kampf ums Dasein erleichtern, was übrigensin dem Lande, wo die Frauenemanzipation auf einer so hohenStufe steht, selbstverständlich ist. Dieser löbliche Zweck er-scheint mir jedoch durch den in den neugegründeten Ly desfür Mädchen befolgten zu umfangreichen und gelehrten theo-retischen Unterricht mehr als gefährdet. Dem Elementarunter-richt, welcher in zwei Stufen vom 8. bis 12. Lebensjahr erteiltwird und der in demCours deducation et d'instruction t der FrauPape-Carpantier einen vorzüglichen Lehrbehelf besitzt, geht einzweijähriger Vorbereitungskurs voraus, während die höhere Aus-bildung in 5 Jahrgängen (12. bis 16. Jahre) nachfolgt. DieGrundzüge dieses Enseignement secondaire des jeunes filles sinddurch die Verordnung vom 28. Juli 1882 festgesetzt worden;sie enthalten u. a. das beachtenswerte Detail, wonach die Wahlder Lehrbücher den Schülerinnen freisteht, die sich übrigensauch mit selbstgemachten Notizen behelfen dürfen. Verfehltwäre es, hieraus etwa auf die Mangelhaftigkeit der betreffendenLehrbuchlitteratur schliefsen zu wollen; dieselbe steht vielmehrqualitativ und quantitativ auf nicht gewöhnlicher Höhe: dasHachettesche Verzeichnis allein umfafst 16 gr. 8° Seiten fürden höheren Mädchenunterricht bestimmter Lehr- und Hand-bücher.