Beiträge zur Kenntnis des modernen Volksschulwesens von Frankreich.
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Sorbonne mit dem das Auge ergötzenden und von dem Archi-tekten Nenot und dem Bildhauer Martin im Mafse von I : 50ausgeführten Riesenplan und Gypsmodell des neuen Sorbonne-Viertels und der Faculte de medecine, wollen wir noch dieDetails zweier Schulen kurz anführen. Die GewerbeschuleDiderot (gegr. 1873) stellt prächtige und gediegene Arbeiten:Schränke, Schlösser, Maschinenbestandteile etc. ihrer 13- bis19-jährigenSchüler aus, welche in einem dreijährigen Kursus heran-gebildet werden, täglich 4 Stunden theoretischen Unterrichtgeniefsen und 5 Stunden in den Werkstätten arbeiten, währendder Donnerstag den militärischen Übungen Vorbehalten ist.Das College Chaptal (gegr. 1844) auf dem Boulevard desBatignolles ist eine der gröfsten Schulen von Paris und ausmehreren selbständigen, mit einander jedoch organisch ver-bundenen Abteilungen gebildet, u. z. dem sog. Petit College ,der sich wieder in eine vorbereitende Elementarabteilung (mit2 Kursen), ferner in 2 Jahrgänge mit 4 bez. 6 Sektionen gliedert;diesen folgt der Mögen collige mit 2 Jahrgängen zu 6 bez.4 Sektionen, dann der Grand College , dessen 5 - Jahrg. sich nachden 2 Arten der Abturientenprüfung: baccalaur&at es Sciencesund bacc, de Venseignement sp&cial gliedert und schliefslich vom6. Jahrg. gekrönt wird, dessen 3 Abteilungen der Reihe nachfür die Ecole de St.-Cyr, für den 1. bez. 2. Jahrgang derjhcole polytechnique und der Ecole normale supSrieure, dann fürandere höhere Fachschulen vorbereiten. Gymnastik, militärischeÜbungen (teilweise Schiefsübungen), Zeichnen und Handfertig-keitsunterricht sind an allen Jahrgängen obligatorisch. DieAnstalt entspricht in ihrer Anlage und der inneren Verwaltungsämtlichen Anforderungen moderner Hygiene und ist aufser demExternat noch für ganze und halbe Pension eingerichtet. DieGebühren steigen für ganze Verpflegung von 1,000 Fr. bis1,500 Fr., für die halbe Verpflegung von 750 bis 1,100 (bez.500—900) und für das Externat von 180 bis 350 Fr. Aut derAusstellung ist diese Schule umfangreich und bis ins Einzelnegehend vertreten, so finden wir u. a. eine erschöptende Samm-lung schriftlicher Aufgaben seit dem Jahre 1879, aus welcherwir ersehen, dafs die mathematischen Disziplinen eine be-sonders eingehende Pflege erhalten, während uns die äufsereForm der Arbeiten, insbesondere der philologischen: lose Blättermit roten, ja schwarzen Bleistiftkorrekturen weniger ansprichtund nur der Bequemlichkeit von Lehrern und Lernenden zu Gutekommt.
An statistischen Daten sei erwähnt, dafs Paris derzeit381 Volksschulen mit 31,130 Schülern und 17 Schulinspektorenzählt, i. J. 1888 betrug das ordentliche Unterrichtsbudget14,853,512 Fr., dem sich in der Regel ein stattliches aufser-