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wissen Ängstlichkeit und Vorsicht nieder, und ich bitte meine Leser, zumeinen Worten nichts hinzuzufügen und nichts von ihnen abzuziehen.
Nach meinen Beobachtungen sind die abfälligen Urteile, die über diein den Sekundärschulen Frankreichs herrschende Zucht hin und wiederlaut werden*), für die Volksschule in Paris nicht oder doch wenigstensnicht in vollem Umfange zutreffend. Die Art, wie die Lehrer und Leh-rerinnen mit ihren Schülern und Schülerinnen verkehrten, war angenehmund freundlich. Schon das Sammeln der Schüler im Ursan unter Bei-sein der Lehrer, das schnelle Formieren nach Klassen, das Hineinmar-schieren im Gleichschritt in die Unterrichtsräume machte, von dem un-angenehmen Geräusch auf der Treppe allerdings abgesehen, einen gutenEindruck. Auch das Hinausgehen auf den Hof geschah nach rascher Auf-stellung in der Klasse im Gleichschritt, einmal, unter Führung einer Leh-rerin, unter Absingung eines hübschen Marschliedes. Ebenfalls nach derPause geschah das Formieren der Schüler (gewöhnlich wurde ein ganzkurzes Signal mit einer Pfeife gegeben) und das Hineinmarschieren mehr-fach mit ausgezeichneter Präzision. Nicht so vollständig war ich von derHaltung der Kinder während des Unterrichts befriedigt. Die französischenLehrer scheinen nicht mit derjenigen Strenge, die wir für nötig halten,auf gerade Körperhaltung, ruhige Lage der Hände und Vorwärtsrichtendes Blicks zu dringen. Einigemal war ich geneigt, die Haltung der Kinderals geradezu nachlässig zu bezeichnen. Ich besprach diese Sache mit einemKollegen. Er sagte mir, daß er die Richtigkeit meiner Beobachtung völligzugebe, daß er auch, da er in Deutschland gewesen fei, den in dieserHinsicht obwaltenden Unterschied wohl kenne, daß er aber doch nicht ge-neigt sei, dieser Sache wegen einen Vorwurf gegen die französische Schulezu erheben, da er glaube, daß diese etwas freiere Haltung der Kinder indem lebhafteren Temperament der Franzosen ihre Erklärung und Berech-tigung finde.
Ich unterlasse es, dem Kollegen zuzustimmen oder zu widersprechen;es sei mir aber gestattet, gleich hier auf einen Umstand hinzuweisen, der,wenngleich er dem flüchtigen Besucher nicht in die Augen fällt, in ernsten
") Vergl. Reiseeindrllcke und Beobachtungen eines deutschen Neuphilologen in derSchweiz und Frankreich. Von Martin Hartmann. Leipzig, Stalte.