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behauptet, daß die deutschen Schüler in die Verhältnisse, die im franzö-sischen gesetzeskundlichen Unterricht behandelt werden, doch gar zu wenigeingeweiht würden. Vielleicht kommen auch wir noch dazu, auf der Ober-stufe eine Lektion Verfassungs- und Gesetzeskunde einzufügen.
Der Unterricht in der Geschichte soll sich nach den bestehenden Vor-schriften ganz überwiegend mit der Entwickelung und den Schicksalen Frank-reichs beschäftigen, soll jedoch auf der Oberstufe auch Thatsachen der aus-ländischen Geschichte mit heranziehen, sofern sie auf die Geschichte Frank-reichs Bezug haben. Ich erbat mir in einer zweiten Klasse (11—12jährigeKnaben) eine Lektion in der Geschichte. Sie gestaltete sich als Wieder-holung. Die Knaben erhielten folgende Fragen: Zeige die Stadt Poitiersund nenne die Schlachten, die in der Nähe dieser Stadt geschlagen sind!— Welche Kriege hat Ludwig XIV. geführt? — Welche Verfassungenhat Frankreich gehabt seit 1814? Alle drei Fragen wurden mit großerGewandtheit und Sicherheit korrekt beantwortet. Ein andermal wurdeebenfalls in einer zweiten Klasse der erste Teil des deutsch-französischenKrieges und ein andermal mit neunjährigen (!) Kindern einiges aus derGeschichte Ludwigs XI. und Karls VIII. wiederholt. Auch in diesen Fällenzeigten die Kinder gute, zum Teil überraschende Kenntnisse. Ich habeden Eindruck gewonnen, daß der Geschichtsunterricht mit großem Fleißbetrieben wird, und daß er unter starker Inanspruchnahme des Gedächt-nisses die Kinder mit zahlreichen, zum Teil sehr detaillierten Kenntnissenaus dem Gebiet der französischen Geschichte ausstattet. Von einer Be-rücksichtigung der Kulturgeschichte habe ich nichts bemerkt, will aber nichtbehaupten, daß sie nicht stattfindet.
Einmal nur hatte ich Gelegenheit, einer Wiederholungslektion imGeographieunterricht beizuwohnen. Mit neunjährigen Kindern wurdendie 87 Departements Frankreichs samt ihren Hauptstädten wiederholt, unddie Kleinen wußten so vorzüglich Bescheid, daß man, falls man überhauptauf der bezeichneten Stufe schon derartiges treiben will, die Leistung füreine Musterleistung erklären mußte. — Über die Karten, die ich oft inden Klassenzimmern und auf den Korridoren mustern konnte, möchte ich nocheiniges erwähnen: Sehr verbreitet waren die Karten von Vidal-Lablache.*)
*) Läiteui ^rinanä 6o1in. 5 rus äs Möisres, karis.
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