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In der englischen Stunde trieb der Lehrer mit acht Schülern desvierten Jahrgangs Lektüre. Es waren junge Leute im Alter von 17 bis18 Jahren. Man las Okilä Unrolä's Illlgwimass« von Byron. DieLektion befriedigte mich nicht; der Lehrer sprach sehr viel, die Schülersprachen desto weniger. Die Aussprache ließ verschiedentlich zu wünschenübrig. Es wurde nur übersetzt, eine weitere Erklärung und Durch-arbeitung des gelesenen Stoffes fand nicht statt, und die Schüler be-wiesen durch ihre Haltung, daß das schöne Gedicht wenig Eindruckauf sie machte. Das eigentliche Übersetzen ging zwar recht flott von
statten, aber ich hatte durchaus den Eindruck, daß die Schüler in den
Geist des Gedichtes nicht eindrangen, und daß sie auch den gelesenenStoff nach feiten der grammatischen Auffassung keineswegs völlig be-herrschten.
Einen bedeutend besseren Eindruck machte die deutsche Lektion, derich in einer etwa 40 Schüler zählenden Klasse des ersten Jahrgangs bei-wohnte. Das Lehrbuch allerdings schien seiner Anlage nach vorwiegendder grammatisierenden Übersetzungskunde zu dienen, aber der Lehrer machtesich von dem Buch recht frei. Er sprach fast nur deutsch und zwar mitrecht guter Gewandtheit und guter Aussprache. Er hatte auch dieSchüler geübt, ohne Hilfe der Bücher sich einigermaßen frei in der
fremden Sprache auszudrücken, und die Leistungen der Schüler in dieserRichtung waren in Anbetracht der kurzen Zeit, während der sie im
Deutschen unterrichtet worden waren, wirklich erfreulich. Der Lehrer gabihnen in deutscher Sprache eine Rechenaufgabe, ließ sie über Gegenständeim Schulzimmer frei einiges sagen, und endlich sagte er zu einem Schüler:Jean Lerolle, sagen Sie zu Pierre Lebang, er solle aufstehen, an dieTafel gehen, ein Stück Kreide nehmen und folgenden Satz an die Tafelschreiben: (der Satz wurde genannt). Der aufgeforderte Schüler that,was von ihm verlangt war, und zwar unter eigener Angabe dessen, waser that: Ich stehe auf, gehe an die Tafel usw. Nachdem der Satz an-geschrieben worden war und noch zu einigen Erörterungen Anlaß gegebenhatte, forderte der Lehrer einen anderen Schüler auf, diesem Schüler zusagen, er solle den Satz, der an der Tafel stehe, auswischen, solle dieKreide in den Kasten legen usw. Das geschah; und der betreffende Knabe