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nach einer Anordnung der Universität die Schüler durch täg-liche Recitation einiger .memorirter Stellen ans der Bibel aufdie christlichen Wahrheiten hingeführt werden. Durch diesesgöttliche Salz, meint er, werden die anderen Studien gleichsamgewürzt. Dies sei ein Schatz, ein heilsames Präservativ, dasman heim Verlassen der Schule mitgehe für das Leben, um zustärken gegen die Verlockungen, die falschen Grundsätze desJahrhunderts. Die kurzen Betrachtungen, welche der Lehrerüber diese Sentenzen giebt, verbunden mit der religiösen Unter-weisung an jedem Samstag und mit dem Erlernen der heiligenGeschichte, genügen seiner Ansicht nach, um mit der christ-lichen Lehre bekannt zu machen. — Hierzu bemerkt Crevier,dass diese Anordnung von Rollin selbst während seines Recto-rats getroffen worden und dass er aus Bescheidenheit darüber
schweigt.
Die Veranlassung zu den ziemlich ausführlich angestelltenBetrachtungen über den guten Geschmack lag für ihn zum Theilln dem Auftreten einer gewissen Partei, welche unter der Rührungvon Lamothe und Fontenelle bestrebt war, die Neueren aufRosten des Alterthums zu höherer Anerkennung zu bringen.Wenn auch die Sitten und Gebräuche, die politische Entwick-lung des Alterthums für die Neueren nicht massgebend sind,so hat es doch seiner Ansicht nach unübertreffliche Gesetze fürJas Schöne gegeben, deren Befolgung auf allen Gebieten desgeistigen Lebens die richtige Wahl treffen lässt. „Le hon goüt,sa gt er, c’est le principal fruit qu’on doive faire tirer auxjennes gens de la lectnre des anciens, qu’on a toujours regardesavec raison comme les maitres, les depositaires, les gardiens dela saine eloquence et du bon goüt.“ Ganz besonderen Werthlegte er aber, wie sich später zeigen wird, auf die griechische
Literatur.
Auf den Rath einiger Freunde schickt Rollin seinem ur-sprünglichen und eigentlichen Werke einige kurze Betrachtungenvoraus über die Unterweisung der Knaben und Mädchen vomvierten bis sechsten Jahre. Er ist nicht der Ansicht, dass mandie Kinder vor dem siebenten Jahre nicht unterrichten dürfe,sondern mit Quintilian, der sich hierbei auf die Autorität desPhilosophen Chrysippus stützt, meint er, wie man vom viertenJahre an den Charakter bilden könne, so sei es auch geboten,von da an den Geist durch Unterricht zu pflegen.. Sobald dasKind vollständig sprechen könne, wolle es beschäftigt sein, mansolle es also in angemessener Weise geistig beschäftigen, um somehr, da die Anfänge des Lernens fast nur das Gedächtnis in