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lieh zurück, auch in dem Baecalaureats-Examen legt man aufdieselbe sehr wenig Gewicht, man verlangt darin nur eine ge-nauere Kenntniss der französischen Geschichte vom Anfang des17. Jahrhunderts bis 1815.
Die bekannte Unwissenheit der Franzosen in der Geographielässt schliessen, dass es mit dem geographischen Unterrichteschlecht bestellt ist. In der That lernen die Schüler eigentlichnur die Geographie Frankreichs, und auch diese sehr äusserlich,indem es dabei ganz besonders auf geläufiges Herzählen sämmt-licher Departements ankommt. Um die übrigen Länder undWelttheile kümmert man sich noch immer sehr wenig, selbstdas nach dem Kriege von 1870 so viel besprochene Deutschlandist für die grosse Mehrzahl der jungen Franzosen noch immerein sehr verworrener geographischer Begriff.
Die Anzahl der Lehrstunden beträgt für beide Gegenständezusammen wöchentlich 3. In VIII, VII, VI, V sind beide ver-einigt, von IV ab sind für Geschichte 2 Stunden angesetzt, fürGeographie 1 Stunde.
Was sofort in die Augen fällt, ist die starke Abweichungin der Vertheilung des Lehrstoffes von der durch Rollin statuirten.Er verwies mit richtigem Takte die alte Geschichte in dieobersten Classen, wo sie erst die den Zwecken der humanisti-schen Bildung, dem Verständniss des classischen Alterthumsentsprechende Behandlungsweise erfahren kann. Durch die Ver-theilung des ganzen Stoffes in einem einmaligen Cursus durchalle Classen ist es gekommen, dass der Unterricht in allenClassen nach fast gleicher Methode ertheilt wird, wovon für dieunteren Classen eine starke Ueberspannung die Folge ist. Daman nämlich nach den unteren Classen niemals wieder ex pro-fesso die alte Geschichte behandelt und andererseits doch auchdie Schüler für den Concurs und die officiellen Forderungendes Baccalaureats-Examens möglichst tüchtig machen will, sowird sie 12 und 13jährigen Schülern in einer mehr räson-nirenden Weise vorgetragen statt in einer einfach erzählenden,mehr biographisch gehaltenen. Dazu kommt als ein zweiterUebelstand, dass auch hier wieder der leidige Concurs seinenverderblichen Einfluss ausübt. Um für ihn die Schüler möglichstkampftüchtig zu machen, verlangt man einerseits, wenigstensvon den besten, eine ausserordentlich specielle Kenntniss derhistorischen Fakta, andererseits aber trägt man ihnen politischeBetrachtungen vor wie sie sich eignen für den Standpunkt vonSchülern der obersten Classen oder Studenten. Letzteres ge-schieht, um zur Beantwortung der unter den Concursarbeiteu