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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Exposä über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

Bald nach dem Sturze der Schreckensherrschaft wendete die Directorialregie-ruug- ihre Aufmerksamkeit der Frage zu, in welcher Weise gewerbliche Unterrichts-institute in allen grösseren und kleineren Städten der Republik einzuführen wären,wobei sie dann alsbald auf die Schwierigkeit stiess, welche der Mangel an geeig-neten Lehrkräften der Gewerbeschulorganisation immer und überall zu bereitenpflegt. Eine grossartige Massregel sollte diesem Mangel abhelfen: die Gründungeiner Central- und Musteranstalt, der ecole normale zu Paris, an welche EintausendFünfhundert der talentvollsten Schüler aus allen Departements geschickt wurden,um dort zu Lehrern ausgebildet zu werden. Die ausgezeichnetsten Fachmännerwurden an diese Lehrerschule berufen und an ihre Spitze Monge gestellt, derBegründer der neuen descriptiven Geometrie.

Die Antrittsrede, in welcher dieser Gelehrte als Leiter der Anstalt die Auf-gaben Frankreichs im Gebiete des gewerblichen Unterrichtes darlegte, enthält eineFülle auch Heute noch und insbesondere für Österreich, bemerkenswerther Reflexionen.Wie weit man damals von Selbstzufriedenheit entfernt war, wie sehr man nachErringung des ersten Platzes unter den Nationen strebte und wie klar die hervor-ragendsten Köpfe die Mittel zur Verwirklichung solchen Verlangens erkannten,diess erhellt aus folgenden denkwürdigen Stellen dieser Rede:

Um die französische Nation aus der Abhängigkeit von der ausländischenIndustrie, in der sie sich bisher befand, zu befreien, muss man vor Allem dieöffentliche Erziehung auf die Kenntniss jener Gegenstände leiten, welche Genauig-keit verlangen, was bisher gänzlich vernachlässigt wurde, und man muss die Händeunserer Künstler an die Handhabung von Werkzeugen aller Art gewöhnen, welchedazu dienen, Präeision in die Arbeiten zu bringen. Alsdann werden die Consumenten,für die Genauigkeit empfänglich, diese in den verschiedenen Werken verlangenund den nöthigen Werth darauf legen; unsere Künstler aber, vom frühesten Alteran damit vertraut, werden sie zu erreichen im Stande sein.

Man muss zweitens die für Fortschritte der Industrie unerlässlichen Kennt-nisse einer grossen Menge von Naturerscheinungen gemeinnützig machen. Endlichmuss man unter unseren Künstlern die Kenntniss der Verfahrungsarten jener Künsteund Maschinen verbreiten, deren Zweck ist, entweder die Handarbeit zu verringernoder den Resultaten der Arbeit mehr Gleichförmigkeit und Pünctliclikeit zu geben,und in dieser Beziehung muss man gestehen, dass wir viel von den fremdenNationen zu lernen haben.

Alle diese Absichten lassen sich nicht anders erreichen, als indem mander öffentlichen Erziehung eine neue Richtung gibt.

Nicht ohne Überraschung entnimmt der Österreicher aus diesen Sätzen, dasvor 80 Jahren in Frankreich bei der Inangriffnahme einer grossen Gewerbeschul-organisation ganz dieselben Ideen wirksam waren, welche in neuester Zeit in Bezugauf Österreich von den heimischen Wortführern der gewerblichen Reform geäusserfcwerden.Befreiung aus der Abhängigkeit von der ausländischenIndustrie als Ziel, undeine neue Richtung der öffentlichen Er-ziehung als Mittel, zu diesem Ziel zu gelangen: das sind Heute inÖsterreich die bewegenden Gedanken wie damals in Frankreich, und eine stärkste