Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes. 29
heute ausländische Unterrichtsinstitute aufzusuchen sich gezwungen sieht, zu grossemTheile das Schülerpublikum einer höheren Gewerbeschule bilden würde.
TVas die von den localen Factoren angebotenen Leistungen betrifft, so ist dieGemeinde R e i e li euberg bereit, in einem grossen, für Zeichenunterricht undLaboratoriumsarbeiten eminent geeigneten, mit Warmwasserheizung versehenenNeubaue ausgedehnte Räumlichkeiten beizustellen, welche für die Entwicklung einerWerkmeister-und höheren Gewerbeschule wohl auf Jahre hinaus ausreichen dürften,ein Anhot, das nur roll gewürdigt werden kann, wenn man bedenkt, dass das Raum-erforderniss einer solchen Anstalt ein grösseres ist, als das anderer mittlerer Schulen,da fast jeder Gewerbeschüler sieh in dreierlei Localitäten — im Classenzimmer, imZeichensaal und im Laboratorium oder Modellirsaal bewegt, und da eine guteAufstellung der Sammlungen von Modellen und Apparaten gleichfalls bedeutendenRaumbedarf bedingt.
Was ferner die Stadtgemeinde von Prag anbelangt, so hat sich dieselbeerboten, für den Miethzins der Localitäten einer Staatsgewerbeschule 10.000 fl.,ausserdem für Beheizung, Beleuchtung und Bedienung dieser Räume 2000 fl. undendlich für die mit der Staatsgewerbeschule in Verbindung zu setzende, bereitsjetzt bestehende gewerbliche Sonntags- und Abendschule eine Subvention von3000 fl., im Ganzen also jährlich 15.000 fl. zu zahlen, und die Handels- undGewerbekammern von Reichenberg und Prag, sowie andere locale Interessentenhaben ihre eifrigste Unterstützung von Staatsunternehmungen so productiver Art inAussicht gestellt.
In Prag wie auch in Graz fände die organisatorische Wirksamkeit derRegierung gute Ausgangspunete an gewerblichen Lehranstalten, welche, durch dieTliätigkeit localer Factoren in’s Lehen gerufen und durch die Gewährung vonStaatsunterstiitzungen im Wachsthume gefördert, gegenwärtig eine bedeutsameEntwickelungsstufe erreicht haben, eine Entwickelungsstufe aber, von der sie wedervor- noch rückwärts können, wenn nicht der Staat einen Tlieil der zu umfangreichgewordenen Aufgabe auf sich nimmt.
Es haben sich nämlich in diesen beiden Landeshauptstädten ursprünglicheFortbildungsschulen zu gewerblichen Sonntags- und Abendschulen mit Special-abtheilungen ausgebildet und schliesslich ist in neuester Zeit auch der Versuchder Activirung von Fachgewerbeschulen mit ganztägigem Unterrichte gewagtworden. Wie vorauszusehen war, stellte es sich aber alsbald heraus, dass solcheeigentliche Gewerbeschulen, welche tüchtiger, stabiler Lehrkräfte und festesterOberleitung noch weniger zu entrathen vermögen als andere Mittelschulen, zulebenskräftigen Organismen nicht gestaltet werden können mit den finanziellen undadministrativen Mitteln, wie sie in der Regel den von den beisteuernden Körper-schaften eingesetzten Schulcomites zur Verfügung stehen. Abgesehen von solcherVerwaltungsfrage könnten Tagesgewerbeschulen in Prag und Graz nur dann zugedeihlicher Entwickelung gebracht werden, wenn die bisherigen Staatsunter-stützungen in namhaftester Weise erhöht würden. Da unmöglich durch Verwei-gerung solcher Staatshilfe hoffnungsvolle Keime dem Verkümmern preisgegebenwerden können, da also vermehrte Auslagen des Staatsschatzes unvermeidlich sind,