31
Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.
schule beizustellen, wogegen die Staatsverwaltung die Organisation der letzterenAnstalt vollständig übernehmen würde. Es würde sonach die finanzielle Verwaltungder Abend- und Sonntagsschulen von der der Tagesschulen getrennt werden.die Fortbildungsschulen, zu deren Erhaltung der Staat nicht mehr beisteuernwürde, stünden nach wie vor unter den Scliulcomites, während die Tagesgewerbe-schulen von den k. k. Unterrichtsbehörden verwaltet würden. Bezüglich sämmtliclier,durch die Thätigkeit und aus den Fonds der örtlichen Factoren gesammelter Lehr-mittel würde Vorsorge getroffen, dass deren Benutzung auch den Staatsgewerbe-schulen unter allen Umständen und für immer gesichert bliebe, wogegen der vomStaate bestellte Director der Tagesschule und das übrige Lehrpersonale verpflichtetwürde, auch an der Sonntags- und Abendschule lehrend, respective leitend, zuwirken. Ebenso würden die vom Staate für die Tagesschule erworbenen Lehrmittelstets auch der Abend- und Sonntagsschule zur Verfügung stehen.
Was endlich die in Salzburg projectirte Schule betrifft, so hat es dieUnterrichts Verwaltung für angezeigt gehalten, die Gunst oder Ungunst der örtlichenVerhältnisse vor Einleitung der Schritte zur Systemirung einer solchen Anstaltzu erproben. Es wurde desshalb im Laufe des Schuljahres 1874/5 der Versuchder Eröffnung einer vorläufig nur als Abend- und Sonntagsschule eingerichtetengewerblichen Lehranstalt zu Salzburg unternommen und es gelang, für dieDurchführung eines solchen Versuches den Wiener Arcliitecten Camillo Sitte zugewinnen. Dieser eröffnete im Monate März 1875 die neue Lehranstalt. Von Anfangan zeigte sich der dortige Boden für die energischen Bestrebungen dieses Künstlersals ein ungemein empfänglicher. Ohne dass bisher noch der für später bestimmt zuerwartende Zuzug von Auswärts erfolgen konnte, erreichte im ersten Semester dieZahl der Gewerbeschüler der Sonntags- und Abendschule 350, und für den imHerbste 1876 zu eröffnenden, ersten Curs der Tagesschule wurde eine beträchtlicheAnzahl von Schülern im Voraus angemeldet. Lehrlinge, Gesellen und Meistersassen im Sommercurse, durch gleichen Lerntrieb vereinigt, in denselben Lehrsälen,und Architect Sitte vermochte, nur von einigen, von anderen Schulen entlehnten Lehr-kräften unterstützt, die Aufgabe nur durch den äussersten Müheaufwand zu bewältigen.
Durch eine weitere Dauer eines unzulänglichen Provisoriums und ein Zögernmit der definitiven Organisirung dieser Schule — im Vertrauen darauf, dass derin so erfreulichem Masse erweckte Bildungsdrang der gewerbetreibenden Bevölkerungauch nach einigen Jahren der gleiche wie Heute sein werde, — könnte leicht dergünstige Zeitpunct zur Ausnützung eines rasch erzielten Erfolges versäumt werden.Das Unterrichtsministerium musste daher die definitive Errichtung einer Staats-Gewerbeschule im Hinblick auf die entgegenkommende Haltung der Bevölkerungfür um so ratlisamer erachten, als eine solche Lehranstalt in dem Gebäude desSalzburger städtischen Museums, welches eiue treffliche, in keiner anderen Stadtin gleicher Weise vorhandene Lehrmittelsammlung für die Schule darstellt, einesehr passende Stätte findet und die Gemeinde zur Erweiterung dieser Räumlichkeiteneine rühmenswerthe Opferwilligkeit bekundet.
Im Nachfolgenden wird der voraussichtlich durch die Activirung von 4 Staats-Gewerbeschulen für das Jahr 1876 erwachsende finanzielle Bedarf beziffert. Derselbe