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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

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Aus der Zahl der dem Unterrichtsministerium vorliegenden Gutachten sindmit Bedacht gerade Äusserungen von Architecten in untenstehender Note mit-getlieilt. Hiezu hat die zweifache Erwägung geleitet, dass vor Allem dem tüchtigenArchitecten als Gewerbeschullehrer die wichtigsten aber auch lohnendsten Aufgabenin Österreich erwachsen können und dass die von dem in der Note zuletzt citirtenFachmanne angedeutete, vom Auslande her drohende Concurrenz eben jene Gebietegewerblichen Unterrichtes betrifft, auf welchen der Architect zu wirkenberufen ist.

Die pädagogische Wirkungssphäre desselben beschränkt sich nämlich nichtauf das Baugewerbe im engeren Sinne. Wenn man bedenkt, wie jaeigentlich die Mehriahl der Handwerke der Einrichtung und Ausstattung desHauses dient und dadurch in näherem oder entferterem Zusammenhänge mit demBauwesen steht, so zeigt sich der künstlerisch-pädagogische Wirkungskreis desArchitecten als ein sehr weiter. Aus diesem Sachverhalte könnten der Unter-richtsverwaltung Österreichs bei richtigem Vorgehen die glänzendsten Erfolgeerblühen, da in Wien eine grosse Arehitectenschule herangediehen ist, welche seitLängerem die Entwicklung der dem Bauwesen verwandten Gewerbe, ob sie nunin Stein oder gebrannter Erde, in Holz oder Metall, in plastischer oder flacherDecoration arbeiten, mit künstlerischer Liebe und rühmlicher Geschicklichkeit pflegt.Wenn es nun gelänge, jenen Talenten, welche gegenwärtig in nicht geringer Zahl

somit gerade in jenen Kreisen aufstrebender Berufsgenossen bewegt, welche bei Besetzung vonGewerbeschullehrämtern zunächst in Betracht kämen.

Die Ausführungen desselben in Betreff der Gehaltsfrage stimmen mit denen des vorher citirtenFachmannes vollkommen überein; er fügt nur noch bei,dass Techniker, welche sich dem Eisenbahn-fache zuwenden, im Verhältnisse ebenso lionorirt werden wie Architecten, und spricht seine Über-zeugung aus,es dürften all die Bemühungen, um einen Jahrgehalt von 1200 bis 1500 0-, entsprechendeLehrkräfte zu finden, fruchtlos sein, da man um solche Summen immer nur Leute erhält,welche in ihrer bautechnisehen Praxis nicht durchgreifen konnten, liiomitumsoweniger für Lehrstellen tauglich sind.

Endlich verdient noch eine sehr beachtenswerthe Äusserung, hier gewürdigt zu werden, eineÄusserung, in welcher ein durch seine Leistungen im Gebiete der Kleinkunst zu europäischem Kufegelangter Architect auf eine bedenkliche, vom Auslande her drohende Concurrenz mit den Worten hindeutet:

Tüchtige Practiker mit scliulmännischer Bildung oder doch mindestens schulmännischemTalent sind überhaupt selten und heute sehr gesucht, es fällt hiebei ganz besondersins Gewicht, dass Deutschi and und die Schweiz aufangen, sich gerade auf diesemGebiete aus Österreich zu recrutiren. So liegt mir in diesem Augenblicke ein Ansuchender schweizerischen Regierung vor, welche tüchtigen Kräften in der angedeuteten Richtung Stellungenmit 3500 bis 4000 fl. Gehalt, eigenen Ateliers etc. anbietet. Wenn die österreichischeRegierung daher nicht in der Lage ist, einem alle Bedingungen erfüllenden Manne bei Übernahmedes Lehramtes ein pecuniäres Äquivalent für den Ausfall eines bedeutenden Theiles seiner Privat-thätigkeit zu bieten, so werden die ge eignet en P e rs önliehk ei ten entweder vorziehen,bei ihrer erträgnissreicheren practischen Thätigkeit zu bleiben oder an dasAusland verloren gehen. In Österreich aber würde man bei den besten Absichtensich doch gezwungen sehen, das Lehramt auf diesem Gebiete, indem man sichmit Kräften zweiten und dritten Ranges begnügt, als eine Pfriindefür dieTalent-losigkeit zu behandeln.