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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Exposä über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

heimischen Kräfte für den öffentlichen Unterricht zu gewinnen , ihnen damit einelockende Lebensaufgabe im Dienste des Staatswohls zu bieten, ihre eigenen Interessenmit denen der heimischen Gewerbeentwicklung zu verschmelzen und ihren Ehrgeizan den Ruhm der österreichischen Kunstindustrie zu fesseln.

Eine thatkräftige Pflege gerade dieses Unterrichtsgebietes erscheint aberfür Österreich umso bedeutsamer, als das rivalisirende Deutschland ohnehin in denanderen Zweigen des Gewerbeschulwesens, in den mechanisch- und chemisch-technischen Unterrichtsfächern, eines entmnthigend grossen Vorsprungessich erfreut und von der kaum begonnenen österreichischen Schulorganisation nurschwer und langsam eingeholt werden kann. Wenn nun auch auf jenem anderengewerblichen Gebiete, welches als Lichtpunet im Culturbilde der österreichischenGegenwart glänzt, die Weiterentwicklung der günstigen Anfänge versäumt würde,wenn nun auch auf kunstgewerblichem Gebiete eine mit Zögern und halben Mass-regeln arbeitende Verwaltung sich von Deutschland überholen liesse, so müsste danneine solche Inferiorität in sämmtlichen Zweigen des Gewerbe-Bildungsweseusumso tiefer beklagt werden, als der Vorwurf, einen schon rühmlich in Besitzgenommenen Boden wieder verloren zu haben, Österreich nicht erspart werdenkönnte.

Reifliche Erwägung und gewissenhafte Würdigung aller dieser mannigfachenVerhältnisse muss demnach zu der Überzeugung führen, dass Österreich die relativgeringen Opfer nicht scheuen darf, ohne welche nur ein äusserer Schein erzeugt,aber kein sachlicher Nutzen gestiftet werden könnte, und dass vor Allem dengeistigen Trägern der neuen gewerblichen Unterrichtsinstitutionen jene Preise ge-zahlt werden müssen, welche heutigen Tages internationale sind. Nurdurch Befolgung solcher Verwaltungsprincipien ist es der königlich sächsi-schen Regierung gelungen, die Chemnitzer Gewerbeschulen zu den erstenAnstalten ihrer Art zu erheben und sie auf solcher Höhe zu erhalten.Die trefflichen, an diesen Anstalten wirkenden Kräfte wusste die Regierung ebenstets durch Gewährung von Gehaltsaufbesserungen an die Chemnitzer Institutezu fesseln. Überall im Auslande, wo die Gewerbeschulen Erfolge aufweisen, sindauch die Lehrer materiell günstig gestellt und gemessen einzelne ausgezeichnetereKräfte, Lehrer und Leiter, Bezahlungen, welche die vieler Hochschul-professoren überragen. Es mag hierin auch nichts Auffallendes gefundenwerden, da einerseits dem Techniker der Natur der Sache nach eine grössere Zahllucrativer Lebensstellungen erreichbar ist, als diess z. B. bei den meisten Universi-tätsprofessoren der Fall sein kann, und da anderseits die den Directoren und Fach-vorständen an Gewerbeschulen obliegenden didactischen Aufgaben zwar andererArt sind als die der Professoren technischer Institute, aber kaum die Qualificationfür diese sehr schwierigen Aufgaben häufiger angetroffeu wird, als eine volle Eig-nung für den Lehrberuf an polytechnischen Hochschulen. In der That besitzendenn auch z. B. die Chemnitzer Gewerbeschulen in ihren Lehrkörpern Kräfte,welche jedem Polytechnikum zur Zierde gereichen würden.

An früherer Stelle dieses Exposes ist darauf hingewiesen worden, dass inDeutschland es sich neuerlich stets deutlicher herausstellt, dass heutigen T ages nur