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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

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Lehrplan E

für den

Unterricht im Zeichnen und Modelliren an gewerblichen

Fortbildungsschulen.

Entsprechend dem Zwecke der Fortbildungsschule als einer Lehranstalt für Schüler, welchesich einem gewerblichen Berufe bereits zugewandt haben, soll der Unterricht im Zeichnen jenesMass von Fertigkeit und Verständnis in diesem Fache vermitteln, welches den Schüler befähigt,das Erlernte in gewerblicher Beziehung nützlich anzuwenden.

Es erscheint demnach zweckmässig, die Schüler je nach ihrer gewerblichen Beschäftigungin Fachgruppen zu theilen u. z. :

a) In die Gruppe der

Baugewerbe,

als: Maurer, Zimmerleute, Tischler, Steinmetze, Spengler, Stuccaturer, Hafner, Schieferdecker etc.

b) In die Gruppe der

Maschinengewerbe,

als: Mechaniker, Maschinenschlosser, Modelltischler, Dreher, Giesser, Wagner, Uhrmacher,Instrumentenmacher etc.

c) In die Gruppe der

Kunst- und Kleingewerbe,

als: Bildhauer, Glas-, Porzellan- und Zimmermaler, Lithographen, Graveure, Gold-, Silber- undBroncearbeiter, Gürtler, Buchbinder, Tapezierer, Pfeifenschneider, Drechsler, Sattler etc.

Für die Schüler der Gruppe c) ist nebst dem Unterricht im Freihandzeichnen auch einModellirunterricht nothwendig, wobei sowohl in Thon, wie auch in Wachs nach guten Modellengearbeitet wird.

Ausser diesen 3 Fachgruppen ist in Berücksichtigung jener Schüler, deren Vorkenntnisseund Fertigkeit im Zeichnen für die Theilnahme am Unterricht in einer der Fachgruppen nichtausreichen, eine Vorbereitungsclasse zu errichten, welche sich in eine Abtheilung für das geome-trische Zeichnen, sowie in eine für das Freihandzeichnen gliedert, so dass die Schüler a) undb) in ersterer und die Schüler für die Gruppe c) hauptsächlich in letzterer vorzubereiten wären.Nach dem Bedürfnisse des Berufes müsste übrigens auch ein Theil der Schüler, welche derFachgruppe c) angehören, z. B. Silber- und Broncearbeiter, Glas- und Zimmermaler, Drechslerund Buchbinder, dem Vorbereitungsunterrichte für das geometrische Zeichnen beiwohnen.

An Schulen solcher Orte, wo die Zahl der Gewerbeschüler gering ist, können sowohl diezwei Vorbereitungsabtheilungen als auch die drei Fachabtheilungen zusammengezogen werden.

Der Cursus an der Vorbereitungsabtheilung ist einjährig, an den Fachabtheilungen insbe-sondere für Lehrlinge mindestens zweijährig.

Die wöchentliche Stundenzahl für den Zeichenunterricht soll in jeder Abtheilung womöglichnicht weniger als 9 betragen. Hievon sind 3 auf den Vormittag des Sonntags und 6 für zwei-stündige Lectionen auf 3 Abende der Wochentage zu verlegen. Für das Modelliren genügenwöchentlich 2 Stunden.

Organisation des Unterrichtes.

I. Geometrisches Zeichnen in der Vorbereitungsabtheilung.

Da nach den Erfahrungen bei der bis jetzt unregelmässigen Frequenz der Gewerbeschülerin grossen Städten ein geregelter Vortrag des Lehrers mit Vorzeichnen auf der Tafel illusorisch