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Schulreden nebst einer Abhandlung über Schulfeierlichkeiten als Einleitung / von Carl Friedr. Wilh. Clemen
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130
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Freude inniger empfunden, und der Schmerz leichter getragen,und die Noth glücklicher überwunden wird, wenn das Bandder Liebe alle ihre Glieder umschlingt: so in dem großen Völ-kerleben, wenn die hohe Bedeutung: Landcsvater und Lan-de ökind zum Volksgefühl erhoben ist, die Freude des Fürstenvom ganzen Volke getheilt, und die Sorge und Noth des Lan-des auf dem Throne nachempfunden wird, und in der Stundegemeinsamer Gefahr alle Kinder um den theuern Landesvatcrsich schaaren.

Wer hat das Leben erforscht in seinem Grunde? Wer kenntdie natürliche Kraft, die es treibt? So geht wie ein Naturgefühl dieLiebe und Anhänglichkeit an den Fürsten durch das Leben der Völker;in ihm fühlt auch der geringste Unterthan sich geehrt, und höherschlägt unser Herz, wenn die Gegenwart seine Güte und Weisheitrühmt und seine Thaten preißt, oder die Geschichte uns sein Lob ver-kündet. Denn der Grundsatz des Staatsrechts: der Herrscherstirbt nicht hat noch eine höhere Bedeutung im Bewußtseynder Völker. Oder was ergreift mächtiger des Hessen Brust:wenn er hört von dem entschlossenen Muthe einer Maria The-resia, oder wenn er vernimmt, wie die Ahnsrau unseres erha-benen Fürstenhauses, Sophie von Brabant, mit ihremSohne, Heinrich dem Kinde, Hessen'ö Gauen durchzog unddurch ihren fürstlichen Muth und weisen Sinn diesem die Herr-schaft und den Hessen die Selbstständigkeit rettete? Wobei schlägtfreudiger unser Herz: wenn uns die Geschichte das Leben desKurfürsten von Sachsen Friedrich des Weisen vorführt, oderwenn sie uns lehrt, wie Landgraf Philipp der Großmü-thige tiefer als irgend ein Fürst seiner Zeit das Wesen derReformation erfaßte, und an Muth, Entschlossenheit und Um-sicht im Schutz der neuen Kirche seine Bundesgenossen über-ragte?

Wenn aber die Liebe zu seinem Fürsten ein natürlichesErbtheil jeglichen Volkes ist; wie vielmehr müssen wir Hessenmit treuer Liebe u n sc rm Fürstcnge schlechte zugethan seyn,das mit uns eines Stammes auf demselben Boden erwachsen istund viele Jahrhunderte mit seinem Volke des Schicksals wech-selnde Loose getheilt hat, dem die Hessen nicht blos von GottesGnaden im gewöhnlichen Sinne, sondern auch von Gottes