Jur Einweihung eines Schulhauses-*)
Hochverehrteste Förderer unserer Anstalt, wertheste Freundeund Ältern dieser Jugend, theuere Mitlehrer, geliebte Kinder! —Wohin ich blicke in dieser Stunde der Weihe, überall bewegternste Freude das Herz, überall erfüllt inniger Dank die Seele,überall erhebt den Geist die hehre Hoffnung. Denn einer ho-hen, heiligen Bestimmung gilt die Weihe dieses Hauses, einerBestimmung, die das Irdische und das Himmlische, das End-liche und das Ewige, das Menschliche und das Göttliche um-faßt. Aufnehmen sollst du von nun an, Haus der Weihe! diezarte Jugend dieser Stadt, daß in dir ihr Verstand geübt undentwickelt, ihr Herz veredelt und ihr Geist gebildet werde. Seynsollst du eine Stätte, da der Herr waltet mit seinem Geiste, daLiebe und Glaube, Tugend und Frömmigkeit im kindlichen Ge-müthe sich entfalten, da das Kind klar wird über sich selbst
*) Das SchulhauS in Rinteln — aus 5 hohen, geräumigen Lehrzimmern,einem großen Saale, einer Pedellenwohnung im Erdgeschoß und einergeräumigen Lehrerwohnung in der dritten Etage bestehend — wurdeim Jahre 1831 eingeweiht, wobei ich obige Rede hielt, nachdem esvom Stadtrathe an den Schulvorstand und von diesem an mich über-wiesen worden war. Denn es war auf Kosten der Stadt erbaut wor-den, und erst später erhielt diese die Hälfte vom Staate ersetzt, weil diefrühere reformirte Schule vom Staate unterhalten werden mußte, dieseaber einen integrirenden Theil der Bürgerschule bildet. — Es waraber die Feier um so wichtiger, weil bis dahin die Schule in 4 Loca-len hatte gehalten werden müssen, die in ganz verschiedenen Straßenlagen. Wie sehr dadurch die Einheit der Schule litt und den Lehrernihr Beruf erschwert wurde, leuchtet ein.
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