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ihr bißchen Kra;t zusammen und kriecht aus Händen und Füßen ausdem Bette zum Ofen: glücklich findet sie noch einen Brand, schleudertihn ins Stroh ihres Bettes und eilt, so schnell sie kann, hinaus, sichin Sicherheit zu dringen. Das Häuschen stand nun augenblicklich inhellen Flammen, und wie der Feuerschein vom Eise aus gesehen ward,stürzte alles in wilder Hast dem Strande zu. Schon sprang der Windauf und fegte den Staub auf dem Eise vor ihnen her; der Himmelward dunkel, das Eis fing an zu knarren und zu schwanken, der Windwuchs zum Sturm, und als die letzten den Fuß aufs feste Land setzten,brach die Decke und die Flut wogte an den Strand. So rettete, diearme Frau die ganze Stadt und gab ihr Halb und Gut daran zuderen Heil und Rettung. K. Müllenhoff.
7. Der wohltätige Nagelschmied.
In der Stadt Winterthur lebte, >vie uns berichtet wird, im vorigenJahrhundert ein Nagelschmied, dessen Name uns leider verloren gegangenist, aber verdient hätte, auf die Nachwelt zu kommen. Der Mann wararm und hatte nur mit Hilfe einiger guter Leute seinen Hausstandund sein Geschäft begründen können: aber er war fleißig früh undfpät. In einer Nacht, da es schon zwölf Uhr geschlagen hatte, kamein vornehmer Herr, der einst Schulkamerad unseres Meisters gewesenwar, an seiner Werkstatt vorüber und hörte zu seinem Erstaunen nochdie kräftigen Hainmerschläge des wackern Arbeiters, Neugierig, dieUrsache der späten Arbeit zu erfahren, trat .der eheiualige Freund einund fragte den Meister, warum er seine Arbeit so tief in die Nachtausdehne. Da antwortete der Nagelschmied: „Ich arbeite für einenMann, dessen Haus verbrannt ist, inorgens zwei Stunden sirüher undabends zwei Stunden später: denn, sehen Sie, Almosen kann ich nichtspenden, meine Näget kann ich auch nicht umsonst geben, ich bin arm,Tag für Tag muß ich meinen Lohn verdienen, wenn ich leben will.Aber wenn ich des Tags vier Stunden inehsi arbeite als gewöhnlich,so macht es in der Woche zwei Taglöhne, und um diese gebe ich demarmen Manne meine Nägel wohlfeiler. Es muß halt ein jeder demNächsten dienen, wie er kann." M. Schaler.