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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die Nibelunge.

Vor dem Hause stehen viel tausend Hunnen. Hagen und Volkerspotten ihrer Feigheit; umsonst beut die Königin einen Schild vollGoldes, samt Burgen und Land, dem, der ihr Hagens Haupt bringe.An Etzels Hofe lebt Hawart von Dänemark mit seinem MarkgrafenJring und dem Landgrafen Jrnfried von Türingen. Jring vermißtsich zuerst, Hagen zu bestehen. Da rüsten sich auch Hawart und Jrn-fried mit tausend Mannen. Aber Jring fleht, daß sie ihn allein kämpfenlassen, wie er gelobt. Mit dem Schilde sich deckend, rennt er zumSaal hinauf, läuft bald den, bald jenen an, wird von Giselhern indas Blut niedergeschlagen, springt wieder empor und entweicht zu denSeinen, nachdem er vier Burgunds erschlagen und Hagen durch denHelm verwundet. Kriemhild selbst nimmt ihm dankend den Schildvon der Hand. Hagen aber rühmt sich, daß die Wunde nur seinenZorn auf Männertod gereizt. Abermals eilt Jring zum Streite, daschießt Hagen einen Speer auf ihn, daß ihm die Stange vom Haupteragt; es ist sein Tod. Ihn zu rächen, führen Hawart und Jrnfriedihre Schar hinan; auch sie fallen vom Schwerte mit ihren tausendMannen, die man nach Volkers Rat in den Saal dringen ließ.Stille wird es nun, das Blut fließt durch Löcher und Rinnsteine.Auf den Toten sitzend, ruhen die Burgunden aus. Aber noch vorAbend werden zwanzigtausend Hunnen versammelt; bis zur Nachtwährt der harte Streit.

Da versuchen die Könige noch, Sühne zu erlangen. Kriemhildbegehrt vor allem, daß sie ihr Hagen herausgeben. Die Könige ver-schmähen solche Untreue. Darauf läßt Kriemhild die Helden alle inden Saal treiben und diesen an vier Enden anzünden. Vom Windebrennt bald das ganze Haus. Das Feuer fällt dicht auf sie nieder;mit den Schilden wehren sie es ab und treten die Brände in dasBlut. Rauch und Hitze tut ihnen weh; von Durst gequält, trinkensie auf Hagens Anweisung das Blut aus den Wunden der Erschla-genen; besser schmeckt es jetzt, denn Wein. Am Morgen sind ihrernoch sechshundert übrig, zu Kriemhilds Erstaunen. Mit neuem Kampfebeut man ihnen den Morgengruß. Die Königin läßt das Gold mitSchilden Herbeitragen, den Streitern zum Solde.

Markgraf Rüdiger kommt und sieht die Not auf beiden Seiten.Ihm wird vorgeworfen, daß er für Land und Leute, die er vomKönige habe, noch keinen Schlag in diesem Streite geschlagen. Etzelund Kriemhild flehen ihn fußfällig um Hilfe. Jener will ihn zumKönig neben sich erheben; diese mahnt ihn des Eides, daß er allihr Leid rächen wolle. Was Rüdiger läßt oder beginnt, so tut er übel.Er hat die Burgunden hergeleitet, sie in seinem Hause bewirtet, seineTochter, seine Gabe ihnen gegeben. Land und Burgen, was er vom