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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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15
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Die Nibelunge.

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Könige hat, heißt er wieder nehmen und will zu Fuß in's Elendgehen. Wohl weiß er, daß heute noch alles durch seinen Tod ledigwird. Doch er muß leisten, was er gelobt, steht auch Seel' und Leibauf der Wage. Weib und Kind befiehlt er den Gebietern und heißtseine Mannen sich rüsten. Kriemhild ist freudenvoll und weint. AlsGiselher den Schwaher mit seiner Schar daherkommen sieht, freuter sich der vermeinten Freundeshilfe. Rüdiger aber stellt den Schildvor die Füße und sagt den Burgunden die Freundschaft auf. Umsonstmahnen sie ihn aller Lieb' und Treue. Er wünscht, daß sie am Rheinewären und er mit Ehren tot; aber den Streit kann niemand scheiden.Schon heben sie die Schilde, da verlangt Hagen noch Eines. DerSchild, den ihm Frau Gotelind gegeben, ist ihm vor der Hand zer-hauen; er bittet Rüdi gern um den seinigen. Rüdiger gibt den Schildhin, es ist die letzte Gabe, die der milde Markgraf geboten. ManchesAuge wird von heißen Tränen rot und, wie grimmig Hagen ist,erbarmt ihn doch die Gabe. Er und sein Geselle Volker geloben,Rüdigern nicht im Streite zu berühren. Wohl zeigt der Spielmanndie Goldringe, die ihm die Markgräfin, beim Feste sie zu tragen, gab.Hinan springt Rüdiger mit den Seinen; sie werden in den Saalgelassen, schrecklich klingen drin die Schwerter. Da sieht Gernot, wieviel seiner Helden der Markgraf erschlagen, und springt zum Kampfemit diesem. Schon hat er selbst die Todeswunde empfangen, da führter noch auf Rüdigern den Todesstreich mit dem Schwerte, das derihm gegeben. Tot fallen beide nieder, einer von des andern Hand.Die Burgunden üben grimmige Rache, nicht einer von RüdigersMannen bleibt am Leben.

Als der Lärm im Saale verhallt ist, meint Kriemhild, Rüdigerwolle Sühne stiften, bis der Tote herausgetragen wird. UngeheureWehklage erhebt sich von Weib und Mann; wie eines Löwen Stimmeerschallt Etzels Jammerruf. Ein Recke Dietrichs hört das laute Weheund meldet es seinem Herrn; der König oder die Königin selbst müsseumgekommen sein. Dietrich erinnert seine Helden, daß er den Gästenseinen Frieden entboten. Wolshart will hingehen, die Märe zu er-fragen; Dietrich aber, Wolfharts Ungestüm fürchtend, sendet denHelferich. Dieser bringt die Kunde, daß Rüdiger samt seinen Mannenerschlagen sei. Der Berner will von den Burgunden selbst erfahren,was geschehen sei, und schickt den Meister Hildebrand. Als dieser gehenwill, tadelt ihn Wolshart, daß er ungewaffnet gehe und so dem Scheltensich aussetze. Da waffnet sich der Weise nach der Unbesonnenen Rat.Zugleich rüsten sich ohne Dietrichs Wissen all' seine Recken und be-gleiten den Meister. Hildebrand befragt die Burgunden und Hagenbestätigt Rüdigers Tod; Tränen rinnen Dietrichs Recken über die