Aus' Dichtung und Wahrheit.
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Gefühle, diese gefällige Sprache, wenn man sie auch nur für har-monische Prosa gelten ließ, hatten den übrigens trocknen Geschäftsmannso gewonnen, daß er die zehn ersten Gesänge — denn von diesen isteigentlich die Rede — als das herrlichste Erbauungsbuch betrachteteund solches alle Jahre einmal in der Charwoche, in welcher er sichvon allen Geschäften zu entbinden wußte, für sich im Stillen durchlasund sich daran für's ganze Jahr erquickte. Anfangs dachte er, seineEmpfindungen seinem alten Freunde mitzuteilen; allein er fand sichsehr bestürzt, als er eine unheilbare Abneigung vor einem Werke vonso köstlichem Gehalt wegen einer, wie es ihm schien, gleichgiltigenäußern Form gewahr werden mußte. Es fehlte, wie sich leicht denkenläßt, nicht an Wiederholung des Gesprächs über diesen Gegenstand;aber beide Teile entfernten sich immer weiter von einander; es gabheftige Szenen und der nachgibige Mann ließ sich endlich gefallen,von seinem Lieblingswerke zu schweigen, damit er nicht zugleich einenJugendfreund und eine gute Sonntagssuppe verlöre.
Proselyten zu machen ist der natürlichste Wunsch eines jedenMenschen und wie sehr^fand sich unser Freund im Stillen belohnt, alser in der übrigen Familie für seinen Heiligen so offen gesinnte Gemüterentdeckte! Das Exemplar, das er jährlich nur eine Woche brauchte, waruns für die übrige Zeit gewidmet. Die Mutter hielt es heimlich undwir Geschwister bemächtigten uns desselben, wann wir konnten, umin Freistunden in irgend einem Winkel verborgen die auffallendstenStellen auswendig zu lernen und besonders die zartesten und heftigstenso geschwind als möglich in's Gedächtnis zu fassen.
Porcias Traum rezitirten wir um die Wette und in das wilde,verzweifelnde Gespräch zwischen Satan und Adramelech, welche in'stote Meer gestürzt worden, hatten wir uns geteilt. Die erste Rolle,als die gewaltsamste, war auf mein Teil gekommen; die andere, umein wenig kläglicher, übernahm meine Schwester. Die wechselseitigen,zwar gräßlichen, aber doch wohlklingenden Verwünschungen flössen nurso vom Munde und wir ergriffen jede Gelegenheit, uns mit diesenhöllischen Redensarten zu begrüßen.
Es war ein Samstagsabend im Winter — der Vater ließ sichimmer bei Licht rasiren, um Sonntags früh sich zur Kirche bequemlichanziehen zu können — wir saßen auf einem Schemel hinter demOfen und murmelten, während der Barbier einseifte, unsere herkömm-lichen Flüche ziemlich leise. Nun hatte aber Adramelech den Satanmit eisernen Händen zu fassen; meine Schwester packte mich gewaltigan und rezitirte, zwar leise genug, aber doch mit steigender Leiden-schaft: