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Bilderbuch aus meiner Knabenzeit.
„Hilf mir! ich flehe dich an, ich bete, wenn du es forderst,
Ungeheuer, dich an! Verworfner, schwarzer Verbrecher,
Hilf mir! ich leide die Pein des rächenden ewigen Todes! . . .
Vormals konnt' ich mit heißem, mit grimmigem Haffe dich hassen!
Jtzt vermag ich's nicht mehr! Auch dies ist stechender Jammer!"
Bisher war alles leidlich gegangen; aber laut, mit fürchterlicherStimme rief sie die folgenden Worte:
„O wie bin ich zermalmt! . .
Der gute Chirurgus erschrak und goß dem Vater das Seifenbeckenin die Brust. Da gab es einen großen Aufstand und eine strengeUntersuchung ward gehalten, besonders in Betracht des Unglücks, dashätte entstehen können, wenn man schon im Rasiren begriffen gewesenwäre. Um allen Verdacht des Mutwillens von uns abzulehnen, be-kannten wir uns zu unsern teuflischen Rollen und das Unglück, dasdie Hexameter angerichtet hatten, war zu offenbar, als daß man sienicht auf's neue hätte verrufen und verbannen sollen.
So Pflegen Kinder und Volk das Große, das Erhabene in einSpiel, ja in eine Posse zu verwandeln und wie sollten sie auch sonstim Stande sein, es auszuhalten und zu ertragen!
14. Bilderbuch aus meiner Kuabeuzeit.
Justinus Kerner.
— Zwischen Ludwigsburg und Maulbronn war nun eine großeVerschiedenheit; dort die langen, weiten, lichten Straßen, die künst-lichen Alleen, Schloßgebäude und Soldaten, alles in neuem Stile,kaum etwa? über sechszig Jahr alt. Nun ein Kloster aus dem zwölftenJahrhundert, rings umgeben mit hohen Mauern, einem Zwinger, überden eine Zugbrücke in dunkle Torgewölbe führte, in den Räumen inner-halb der Mauer selbst gar keine Wohnung, als die der Beamten und dasPrälaturgebäude, an welches das Kloster selbst, das nun die Wohnungjunger theologischer Zöglinge war, grenzte. Statt der Ludwigsburgerweiß und gelb angestrichenen, wie von einem Schreiner gemachten Kirchenund Türme — erblickte man hier vom Alter schwarzgraue Kreuzgängeund eine Kirche, die in ihrem Innern, besonders für die Phantasieeines Knaben, große neue Rätsel darbot.
Merkwürdig war bei jedesmaligem Geläute der Turm, der aufdieser in Form eines Kreuzes gebauten Kirche sich schlank und leichtaus dem Dache erhob und durch die Erschütterung der Glocken sichtbarhin und her wankte. Baumeister gaben diese Erscheinung als einenBeweis seines kunstreichen festen Baues an. Wohl sah man in diesemKloster und seinen Gängen keine Cisterzienser, wie in seiner Vorzeit,