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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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237
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Aus der Edda.

237

19. Da sprach Thor also.Der gestrenge Gott:

Mich würden die ÄsenWeibisch schelten.

Legt' ich das bräutlicheLinnen mir an.""

20. Anhub da Loki,Laufeyas Sohn:

Schweige, Thor,

Mit solchen Worten!

Bald werden die RiesenAsgard bewohnen,

Holst du den HammerNicht wieder heim."

21. Das bräutliche LinnenLegten dem Thor sie an;

Dazu den schönenSchimmernden Halsschmuck.Auch ließ er erklingenGeklirr der Schlüssel,

Und weiblich GewandUmwallte sein Knie;

Es blinkte die Brust ihmVon blitzenden Steinen,

Und hoch umhüllteDer Schleier sein Haupt.

22. Da sprach Loki,Laufeyas Sohn:

Nun muß ich mit dirAls deine Magd;

Wir beide wir reisenGen Riesenheim."

23. Bald wurden die BöckeVom Berge getrieben

Und vor den gewölbtenWagen geschirrt.

Felsen brachen,

Funken stoben,

Da Odins Sohn reisteGen Riesenheim.

24. Anhob da Thrym,

Der Thursenfürst:

Auf steht, ihr Riesen,

Bestreut die Bänke,

Und bringet FreiaZur Braut mir daher,

Die Tochter NiördsAus Noatun!

25.Heimkehren mit goldnewHörnern die Kühe,Rabenschwarze Rinder,

Dem Riesen zur Lust.

Viel schau' ich der Schätze,

Des Schmuckes viel;

Fehlte nur FreiaZur Frau mir noch."

26. Früh fanden GästeZur Feier sich ein,

Man reichte reichlichDen Riesen das Ael.

Einen Ochsen Thor,

Acht Lachse dazu,

Alles süße Geschleck.

Den Frauen bestimmt.

Und drei Kufen MethTrank Sifs Gemahl.

27. Anhob da Thrym,

Der Thursenfürst:

Wer sah je BräuteGieriger schlingen?

Nie sah ich BräuteSo gierig schlingen,

Nie mehr des MethsEin Mädchen trinken."

28. Da saß die schmuckeMagd zur Seite,

Bereit, dem RiesenRede zu stehn:

Nichts genoß FreiaAcht Nächte lang,

So sehr nach RiesenheimSehnte sie sich.""

29. Kußlüstern lüfteteDer Riese das Linnen;