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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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378

D>.r Wanderer.

Aber ich bat umsonst; du erschienst mir feurig und herrlich,

Aber ich hatte dich einst göttlicher, schöner geseh'n.

Auch den Eispol' hab ich besucht; wie ein starrendes Chaos20 Türmte das Meer sich da schrecklich zum Himmel empor.

Tot, in der Hülle von Schnee, schlief hier das gefesselte LebenUnd der eiserne Schlaf harrte des Tages umsonst.

Ach! nicht schlang um die Erde den wärmenden Arm der Olymp hierUnd in Regen und Tau sprach er nicht freundlich zu ihr.

25 Mutter Erde! rief ich, du bist zur Witwe geworden,

Dürftig und kinderlos lebst du in langsamer Zeit!

Nichts zu erzeugen und nichts zu pflegen in sorgender Liebe,Alternd im Kinde sich nicht wiederzuseh'n, ist der Tod.

Aber vielleicht erwärmst du dereinst am Strahle des Himmels,

30 Aus dem dürftigen Schlaf schmeichelt sein Odem dich auf;

Und, wie ein Samenkorn, durchbrichst du die eherne HülseUnd die knospende Welt windet sich schüchtern heraus!

Deine gesparte Kraft flammt auf in üppigem Frühling,

Rosen glühen und Wein sprudelt im kärglichen Nord.

35 Aber jetzt kehr' ich zurück an den Rhein, in die glückliche Heimat,Und es wehen, wie einst, zärtliche Lüfte mich an.

Und das strebende Herz besänftigen mir die vertrautenFriedlichen Bäume, die einst mich in den Armen gewiegt;

Und das heilige Grün, der Zeuge des ewigen, schönen40 Lebens der Welt, es erfrischt, wandelt zum Jüngling mich um.

Alt bin ich geworden indes, mich bleichte der EispolUnd im Feuer des Süds fielen die Locken mir aus.

Doch wie Aurora den Tithon, umfängst du in lächelnder BlüteWarm und fröhlich, wie einst, Vaterlandserde, den Sohn.

45 Seliges Land! kein Hügel in dir wächst ohne den Weinstock;Nieder in's schwellende Gras regnet im Herbste das Obst.

Fröhlich baden im Strome den Fuß die glühenden Berge,

Kränze von Zweigen und Moos kühlen ihr sonniges Haupt;

Und, wie die Kinder hinauf zur Schulter des herrlichen Ahnherrn,50 Steigen am dunkeln Gebirg Festen und Hütten hinauf.

Friedsam geht aus dem Walde der Hirsch an's freundliche Tagslicht,Hoch in heiterer Luft siehet der Falke sich um.

Aber unten im Tal, wo die Blume sich nährt von der Quelle,Streckt das Dörfchen vergnügt über die Wiese sich aus.

55 Still ist's hier, kaum rauscht von fern die geschäftige MühleUnd vom Berge herab knarrt das gefesselte Rad.

Lieblich tönt die gehämmerte Sens' und die Stimme des Landmanns,Der am Pfluge dem Stier lenkend die Schritte gebeut,