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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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ergeben war, klagte: „Ach, liebster Sakrales, das geht mir gar zunahe, daß du unschuldig sterben mußt!" Sakrales strich ihm lächelndüber den Kopf und sprach: „Lieber Apollodor! Wolltest du mich dennlieber schuldig sterben sehen?" Ein kleiner Trost für die Jünger desSakrales war es noch, daß die Hinrichtung um dreißig Tage hinaus-geschoben werden mußte. Denn es war nun dem Meister vergönnt, inder nächsten Nähe des Todes die Kraft und Weisheit seiner Lehre zubewahren. Er ward mit jedem Tage heiterer; ja er dichtete Lobliederauf die Götter. Und wenn die Freunde ihn besuchten, fanden sie beiihrem Meister stets Worte des Trostes. Kriton, der älteste und ver-trauteste seiner Freunde, konnte sich aber gar nicht in das Schicksalseines Lehrers finden. Er hatte daher den Gefängniswärter gewonnen,und dieser ließ des Abends die Thüre des Gefängnisses unverschlossen.Als Kriton zu Sokrates eintritt und mit aller Beredsamkeit ihn zurFlucht ermuntert, antwortet der Weise: „Lieber Kriton, sind wir nichteinverstanden, daß man in keinem Falle Unrecht mit Unrecht vergeltensoll? Besteht nicht die erste Bürgerpflicht darin, den Gesetzen zu ge-horchen? Ich habe so lange unter den Gesetzen meiner Vaterstadtgelebt und ihre Wohlthat genossen; warum sollte ich jetzt, da einigeMenschen-sie zu meinem Verderben mißbrauchen, mich ihnen entziehen?"

Zwei Tage nach dieser Unterredung kamen die Männer, welchedie Hinrichtung des Verurteilten zu besorgen hatten, in das Gefängnis,nahmen dem Sokrates die Fesseln ab und kündigten ihm an, daß erheute sterben müsse. Kurz darnach traten seine Freunde ein, fünfzehnan der Zahl, um die letzten Stunden bei ihm zu sein. Auch sein Weibund seine drei Kinder nahmen mit Thränen Abschied. Jetzt neigte sichdie Sonne zum Untergänge. Der Gerichtsdiener trat herein, den vollenGiftbecher in der Hand. Mit heiterer Miene nahm Sokrates denBecher, betete noch zu den Göttern, setzte ihn an den Mund undleerte ihn mit einem Zuge. So starb Sokrates unschuldig im Jahr399 v. Chr. Erst nach seinem Tode sahen die Athener ihr Unrechtein, aber ihre Reue kam zu spät.

Lv. Die alten Römer.

Nach H. Cassian und C. Wernicke.

Das römische Volk war zu Anfang arm und einfach. Einfachheitund Ärmlichkeit herrschte in allen Verhältnissen, und die angesehensten