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Männer schämten sich derselben nicht. Selbst Senatoren und Feld-herren bestellten in der alten Zeit ihr Feld mit eigener Hand. Um dasJahr 450 war der Senat in großer Verlegenheit; denn ein ganzesHeer war vom Feinde umzingelt. Da ernannte er den QuinctiusCincinnatus zum Diktator. Dieser Mann war völlig verarmt.Der Bote des Senats traf ihn auf seinem kleinen Grundstück jenseitsdes Tibers hinter dem Pfluge, nur mit einem leichten Untergewandebekleidet, wie es die Landleute in der Sommerhitze zu tragen pflegten.Der Bote forderte ihn auf, den Befehl des Senates zu vernehmen, unddie Hausfrau reichte ihm das Obergewand. Er nahm den Oberbefehlan. Ein Nachen führte ihn an das jenseitige Ufer, wo seine Freundeund Verwandten ihn erwarteten. Am folgenden Morgen erschien erauf dem Forum, ernannte einen ebenso armen Mann zum Reiter-obersten und bot alle waffenfähige Mannschaft auf. Schon am nächstenTage waren die Feinde besiegt. Eine reiche Beute fiel in die Händedes Heeres. Cincinnatus aber nahm nichts davon für sich, und nach-dem er einen Triumphzug gehalten und seine Würde niedergelegt hatte,kehrte er, arm wie vorher, zum Pfluge zurück. — Ein ebenso großesBeispiel von Genügsamkeit und Redlichkeit gab Curius Dentatus,der Besieger der Samniter. Samnitische Gesandte trafen ihn aufseinem Bauerngute beim Herde sitzend. Er aß eben ein Gericht Rüben,das er sich selbst gekocht hatte. Die Gesandten boten ihm reiche Ge-schenke an. Er aber sprach zu ihnen: „Behaltet euer Gold. Ich willlieber über reiche Leute gebieten, als selbst reich sein." Er setzte esdurch, daß das von ihm seroberte Land unter die römischen Bürgerverteilt wurde, so daß jeder sieben Jucharten erhielt. Ihm wollteder Senat 400 Hektaren geben; er nahm aber nicht mehr alsalle übrigen, weil der ein schlechter Bürger sei, dem sein Anteilnicht genüge.
Den Charakter des ganzen Volkes kennzeichnete ein ernstes, strenges,männliches Wesen. Krieg und Ackerbau waren seine Hauptbeschäftigungen,durch welche es eine tapfere und praktische Nation ward. MännlicheTüchtigkeit im Kampfe und im Staatsleben galten als die höchstenTugenden, wonach Jüngling und Mann ringen mußten. Daranreihten sich Vaterlandsliebe, treue Pflichterfüllung gegen Götter undMenschen, Gerechtigkeit und Mäßigung, Treue, Gewissenhaftigkeit,Festigkeit des Willens und Zähigkeit in allen Unternehmungen. Schon