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L1. Sittenverfall in Rom.
H. Herzog. (Nach C. Wernicke.)
^ler Untergang der römischen Freiheit war vorzüglich durch denVerfall der alten Sittenreinheit herbeigeführt worden. UnermeßlicheReichtümer flössen aus den unterworfenen Provinzen nach Rom. Sobesaß z. B. Crassus, der niemand für reich hielt, wenn er nicht ausden Einkünften seiner Landgüter ein Heer erhalten konnte, ein Vermögenvon etwa 40 Millionen Franken. Zugleich lernte man die Genüssedes Morgenlandes kennen, und um sich diese zu verschaffen, plündertendie Statthalter ihre Provinzen ungestraft auf fürchterliche Weise. Sofand in Rom der sinnloseste Luxus Eingang. Ungeheure Summenverschwendete man auf den Bau der Wohnhäuser und Villen. DenClodius kam sein neues Haus auf 3 Millionen Franken zu stehen, undein anderes wurde sogar für fast 4 Millionen verkauft. An der Seeküstebei Neapel besaß Lucullus ein Landgut, bei dem er Berge durchstechenund Kanäle vom Meere aus graben ließ, um das Seewasser in seineFischteiche zu leiten. Von Hortensius erzählt man, er habe seine Bäumemit Wein begossen. — Die Gerätschaften in den Zimmern waren zwarbei weitem nicht so zahlreich, wie bei uns; aber sie waren um soprächtiger. Ungeheurer Anfwand wurde mit den Tischen getrieben.Ein Tisch von afrikanischem Cypressenholze kostete 250000 Franken.Ebenso wurden die ungeheuersten Summen in den Gastgelagen ver-schwendet. Einer der größten Feinschmecker war Apicius, der sich,als sein Vermögen unter 1 Million Franken gesunken war, vergiftete,weil er fürchtete, er würde Hungers sterben müssen. Auch an derTafel des Lucullus herrschte ungewöhnliche Pracht und Verschwendung.Als er einst allein war und eine einfachere Mahlzeit fand, als ge-wöhnlich, fuhr er den Sklaven zornig an: „Wußtest du denn nicht,daß Lucullus heute bei Lucullus speist?" Cicero, der größte römischeRedner, und Pompejus, ein mächtiger Feldherr, luden sich un-erwartet bei ihm zu Gaste, aber mit der Bedingung, daß die Mahl-zeit sei, wie wenn er allein speise. In der That gab er den Sklavenkeine weitere Anweisung, als daß er im „Apollo" speisen wolle. Erhatte nämlich verschiedene Speisezimmer, und für jedes war die Summebestimmt, welche die Mahlzeit darin kosten mußte. Im „Apollo" gaber die teuersten Gastmähler; denn jede Mahlzeit dort kostete über