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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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75
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festigungsarbeiten leitete. Hier erntete er nicht Ruhm vor der Welt, aberdafür den Dank der Armen und Geringen; denn er zeigte sich als warmerFreund aller Notleidenden, besonders auch der Kinder. Was er hatte,teilte er den andern mit, und er selbst gönnte sich wenig, nur um überallhelfen zu können. Sein Haus wurde zugleich eine Schule, ein Spitalund eine Zufluchtsstätte für die Armen. Selber pflegte er auf der Straßeungewaschene Jungen zu sammeln, sie mit eigener Hand zu säubernund dann zu unterrichten, um sie für den Matrosendienst auszubilden.Er nannte die fröhliche jugendliche Schar „meine Könige", und sie hin-wiederum hingen an ihm, wie an einem Vater. Oft sah man sie mitKreide in der Hand an die Wand der Hofmauer schreiben: „Gott segneunsern Oberst!" Kranke zu besuchen. Unglückliche aufzurichten, betrachteteGordon als eine Erholung. Die Früchte seines prächtigen Gartens kamenfast ausschließlich armen Kranken zu gut. Als einmal sich jemand überdie vielen schönen Gemüse darin verwunderte und der Haushälterin einKompliment machen wollte, antwortete diese: „O, mein Herr genießtnichts von allem dem; er hat seinen ganzen Gemüsegarten den Armender Nachbarschaft zur Bebauung überlassen, und die Früchte und Blumenwandern meist in den Spital zur Erquickung der Kranken."

Der dritte Hauptabschnitt in General Gordons Leben führt uns inden südlichen Teil Ägyptens, den Sudan. England wollte anfangs dersiebziger Jahre dem Sklavenhandel in jener Gegend ein Ende machen.Zu diesem Zwecke veranlaßte es die Regierung von Ägypten, einen eng-lischen Statthalter über das obere Nilthal einzusetzen. Im Jahre 1874wurde Gordon mit diesem Amte betraut. Derselbe durchzog nun dasganze ungeheure Gebiet, dessen Verwaltung ihm übertragen war, undfand diese Gegenden durch den Sklavenhandel aufs furchtbarste verheert,die Einwohner entflohen und ein gut angebautes Land in eine wahreWildnis verwandelt. Hunderte von Sklaven starben auf dem Wege indie Sklaverei; die Schädel lagen in erschreckender Menge längs desWeges, auf dem die Karawanen dahinzogen. Mit fester Hand suchteGordon diesem Greuel ein Ende zu machen: keine Ruhe noch Rast gönnteder unbeugsame Mann den Sklavenhändlern; allenthalben war er ihnenauf den Fersen. Auf seinem Kamel durch die Wüste jagend, durchmaßer oft 30 Meilen per Tag und schoß gleich einem Raubvogel unversehensauf die Menschenmörder, die ihn weit weg wähnten. Er war überall undnirgends. Plötzlich stieg am Horizont eine kleine Staubwolke auf, llnemit Windeseile heranbrauste, und ehe sich die erschrockenen Sklavenhändlerversahen, stand der Generalgouverneur ganz allein vor ihnen in dergoldstrotzenden Uniform, die ihm der Vizekönig von Ägypten geschenkt,und die er anzog, wenn er auf die Bevölkerung und diese SchurkenEindruck machen wollte. Sein Gefolge kam dann langsamer, oft erstam folgenden Tage, hintcndrein, manchmal auch gar nicht. So überfieler einmal ein ganzes feindliches Lager, wo 3000 Mann rasteten. Sie