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durch die endlosen, nur selten von Oasen unterbrochenen Sandwüstendes Innern schweifen. Auf dem Kamele und auf dem flüchtigen Pferdeberuht noch heute der ganze Reichtum der Wüstenbewohner. Die Arabersind ein abgehärtetes, einfaches Volk, glühend in Liebe, wie in Haßund Rachsucht. Neben Gastfreundschaft, Mäßigkeit, Mut, Halten desgegebenen Wortes zeigen sie Grausamkeit und Blutdurst, Raubgier undFehdelust.
Ein Sohn dieses Volkes war Mohammed. Als frühzeitiger Waisewurde er von einem Oheim auf dessen Handelsreisen mitgenommen.Dort lernte er die verschiedensten Menschen und Völker kennen, derenReligionen ihn besonders interessierten. Keine derselben gefiel seinerfeurigen Einbildungskraft; das Christentum scheint er nur in Zerr-bildern gesehen zu haben. Durch die Heirat mit einer Witwe reichgeworden, zog er sich oft in die Einsamkeit zurück, um über göttlicheDinge nachzudenken. Es schmerzte ihn, daß seine Volksgenossen, die ihreAbstammung von Abraham herleiteten, neben dem Lichtgotte Allah nochviele andere Götter verehrten; er wollte den Götzendienst stürzen unddie Urreligion der Araber wieder herstellen. Von Jugend auf litt eran Ausbrüchen der Fallsucht. In solchen Zuständen, die er selbst an-fänglich für Einflüsse böser Geister hielt, glaubte er den Engel Gabrielzu sehen, der ihn als den Propheten Allahs bezeichnete. Er trat vorseinen Stammesgeuossen auf und lehrte: „Es ist nur ein Gott, Allah,und Mohammed ist sein Prophet". Er gebot Waschungen mit Wasser-oder Sand, fünf tägliche Gebete mit nach Mekka gerichtetem Angesicht?,Fasten, Almosen, verbot Wein nnd Schweinefleisch, auch Bilderverehrung,gestattete aber die Vielweiberei bis auf vier Frauen. Für sich selbstnahm er als Prophet das Recht in Anspruch, zehn Frauen und beliebigviele Sklavinnen zu halten. Anfangs fand er wenig Glauben; ja, seineMitbürger suchten ihn zu töten. Da floh er nach Medina, welcheStadtihn aus Neid und Haß gegenMekka aufnahm. Diese Flucht (Hedschra)im Jahr 622 ist der Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung. —Durch wunderbare Erzählungen seiner göttlichen Sendung und Errettung,durch glänzende Beredsamkeit und offen zur Schau getragene Frömmig-keit zwang er die Menge in seinen Bann.
Dann griff er zum Schwert und zog an der Spitze der Gläu-bigen nach Mekka, der heiligen Stadt. Seiner Lehre fügte er die Ver-heißung bei, daß sie mit Hülfe des Schwertes sich über die ganze Erde