Herkunft und sein Vater ein Wagnersmann gewesen. Des haßten ihndie adeligen Domherren und Stiftsgenossen, nahmen Kreide und maletenihm verdrießweise Räder an die Wände und Thüren seines Schlosses;gedachten ihm damit eine Schmach zu thun. Als der Bischof ihrenSpott vernahm, da ließ er einen Maler rufen; dem befahl er, mitguter Farbe in alle seine Gemächer weiße Räder in rote Felder zumalen, und ließ dazu setzen einen Reim, der sagte: „Willegis, Willegis,denk, woher du kommen sis". Daher rührt, daß seit der Zeit alleBischöfe zu Mainz weiße Räder im roten Schild führen. Anderefügen hinzu, Willegis habe, von Demütigung wegen, ein hölzernesPflugrad stets an seiner Bettstätte hangen gehabt.
6». Die Hirsebreifahrt der Züricher.
Nach C- Ninck, Deutscher Kinderfreund.
Es war im Jahre 1576, daß in der freien Reichsstadt Straßburgvom 25. Mai bis zum 13. Juli ein großes Freischießen mit Arm-brust und Feuergewehr gehalten wurde. Diese Feste traten an die Stelleder mittelalterlichen Wasfenspiele und erhielten vom Volke schon des-halb den Vorzug, weil nicht bloß die Ritter, sondern auch die Bürgerund Bauern daran teilnehmen konnten. Viele Einladungen warendazu ergangen. Vom Rhein und von der Donau, aus Schwaben undaus der Schweiz waren über 400 wackere Schützen dazu in Straß-burg eingetroffen, wo sie mit großem Jubel von den Bürgern em-pfangen und beinahe acht Wochen lang bewirtet wurden. Vor demJudenthor draußen war ein mächtiges Schießhaus erbaut, wo es nungar hoch herging und ein echt deutsches Volksfest gefeiert wurde. Dahörte man vom Morgen bis an den Abend das Schwirren der Arm-brustbolzen und das Krachen der Musketen, nur unterbrochen vonden schwellenden Tönen der Musik. Die besten Schützen erhieltenhohe Preise in blankem Golde ausbezahlt. Die Nebenpreise bestandenin kleinen Bechern, silbernen Schalen, Tellern, Löffeln, Armbrüsten,oder auch — in Stoss zu einem schönen Paar Hosen. Zu jedem Preiseaber gehörte eine der zierlich in den Stadtfarben gemalten seidenenFahnen, die dann von den Gästen als Siegeszeichen mit in die Heimatgenommen und dem Rate der Vaterstadt zu ehrender Erinnerung mitden Namen der Schützen überreicht wurden.