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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Jubel und Freude herrschte diesmal auf dem Schützenplatz, wienoch nie zuvor, und das Fest verlief in wahrhaft glänzender Weise,so daß eine Anzahl Züricher Schützen, die mit ihrem Bürgermeisternach Straßburg gereist waren, in ihren Briefen mit geradezu be-geisterten Worten all die Herrlichkeiten schilderten. Die Folge davonwar, daß daheim in Zürich achtundvierzig Bürger unter ihrem Obmann,dem Ratsbaumeister Thomann, beschlossen, ihre Landsleute zu besuchenund zugleich den Straßburgern einen Beweis alter Treue und nachbar-licher Freundschaft zu geben. Wie schon einmal ihre Bäler im Jahre1456 gethan, so setzten auch sie einen großen metallnen Topf von 120Pfund Gewicht, mit heißem Hirsebrei gefüllt, beim Morgengrauen inein Schiff. Ein mit heißem Sand angefülltes, großes Faß bewahrtedie Speise vor dem Erkalten. Die Züricher trugen alle eine und die-selbe Kleidung, rosa und schwarz; und drei Trompeter, zwei Trommlerund ein Pfeifer, die sich gleichfalls an Bord befanden, sollten ihnendurch ihr Spiel die lange Fahrt kürzen. Nach zwei Uhr morgensverließen sie unter einem funkelnden Sternenhimmel die Stadt; einegroße Menschenmenge hatte sich an den Ufern der Limmat versammeltund rief den Scheidenden Grüße und Segenswünsche nach. Von rüstigenRuderern in Bewegung gesetzt, durchflog das Schiff die Wellen derLimmat und der Aare, und als die Sonne aufging, befanden sich dieReisenden im Rhein. Den Strudel bei Laufenbnrg konnte man natür-lich nicht hinabführen; unterhalb desselben wartete jedoch schon dasBoot, die Züricher weiter zu tragen. Um 10 Uhr langten sie in Baselan; eine unabsehbare Menge Volks stand auf der Nheinbrücke und be-grüßte während festliche Böllerschüsse erdröhnten die kühnenSchiffer mit lautem Jubel.

Nach kurzem Aufenthalt tauchten sie die Ruderstangen wieder indie grünlichen Fluten des Rheines, und unter dem Hurrarufen derBasier schwebte das Schiff lustig von bannen. Gegen 2 Uhr wardin Breisach gerastet und ein einfaches Mahl eingenommen; dann aberging's rastlos vorwärts, an den alten Burgen von Sponeck und Lim-burg vorbei, bis endlich in der Ferne der stattliche Münsterturm auf-tauchte und den Reisenden verkündete, daß sie dem Ziele nahe seien.

Gegen sieben Uhr abends fuhren sie. aus dem Rhein in die Jll,und nun zogen sie die blau-weiße Flagge von Zürich am Mastbaumeauf. Majestätisch entfaltete sich das Banner im Abendwinde, die Trom-