peten begannen weithin zu schmettern, und die Trommel und Pfeifeschallten lustig dazwischen, den Straßburgern die Ankunft der treuenEidgenossen verkündend. Allein der wachsame Türmer droben auf demMünster hatte das schmucke Schiff schon längst bemerkt, und kaum ent-faltete es seine Flagge, so beeilte er sich, die fröhliche Kunde weiterzu verbreiten. So kam es, daß am Kaufhause bei der Schindbrücke,woselbst die Schiffe anzulegen pflegten, bereits ein dichter Haufe vonZuschauern stand, Kopf an Kopf gedrängt, deren Freudengeschrei diewackern Züricher willkommen hieß. Das Schiff fuhr ans Gestade undlegte Anker vor dem Kaufhause, und der herbeigeeilte Jakob Sturm begrüßtemit noch einigen andern Ratsherren die Reisenden im Namen der Stadt.
Der alte Thomann war der erste, welcher an das Ufer trat; erschüttelte dem jüngern Straßburger Genossen die Hand und sagte:
„In siebzehn Stunden habe ich mit meinen Gefährten die Reisevon Zürich nach Straßburg zurückgelegt, und wie dereinst unsere Alt-vordern, so nahmen auch wir einen gekochten Hirsebrei mit, der nochwarm ist, und den wir mit Euch Straßburgern verzehren wollen, zumZeichen, daß, wenn einmal Not an den Mann geht, wir Züricherallezeit bereit sind, unsern lieben Straßburger Freunden zu Hilfe zueilen". — Das Auge des alten Eidgenossen blinkte feucht, die Mengeaber rief begeistert: „Hoch die deutschen Schweizerstädte, die mitunserer Reichsstadt das christliche Bürgerrecht geschlossen!"
Nunmehr stieg auch die übrige Schiffsmannschaft ans Land, unddas Händeschütteln wollte kein Ende nehmen. Zu dem Jubel der Altengesellte sich das Jauchzen der Jugend; denn als der Zug sich in Be-wegung setzte, verteilten die Züricher unter die sich um sie her drängendenKinder 300 Züricher Wecken, die damals weit und breit berühmt waren.Nun gings nach der Maurerstube — der heutigen Präfektur —, wo-selbst ein Abendimbiß die lieben und getreuen Gäste erwartete, welchenach des Tages Last und Hitze denselben wohl verdient hatten.
Der Ammeister, der Stadtmeister, viele Ratsherren und angeseheneBürger begrüßten daselbst die Eidgenossen. Fröhlich nahmen alle ander langen Tafel Platz und — wie der berühmte Dichter Fischartim „Glückhafften Schiff" singt:
„Sie lisen auch gleich pringen dar den Hirs, der zu Zürich kochet war,und lisen des auf jeden Tisch ain Platt voll tragen warm und irisch,dessen sich mancher gwnndert hat, wann er ihn an Mund prennen that."