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Mutter. Ich will's zum lieben Gott hoffen, du werdest michnicht mehr so in Schrecken setzen. — Und Niklas, wie ist es dir indieser Woche gegangen?
Niklas. Ich weiß nichts Böses.
Mutter. Denkst du nicht mehr daran, daß du am Montag dasGriteli umgestoßen hast?
Niklas. Ich hab's nicht mit Fleiß gethan, liebe Mutter!
Mutter. Wenn du es noch gar mit Fleiß gethan hättest!Schämst du dich nicht, das zu sagen?
Niklas. Es ist mir leid, ich will es nicht mehr thun, Mutter!
Mutter. Wenn du einmal groß sein und so, wie jetzt, nichtAchtung geben wirst, was um und an dir ist, so wirst du es mit deinemgroßen Schaden lernen müssen. Schon unter den Knaben kommen dieUnbedachtsamen immer in Händel und Streit, und so muß ich fürchten,mein lieber Niklas, daß du dir mit deinem unbedachtsamen Wesen vielUnglück und Sorgen auf den Hals ziehen werdest.
Niklas. Ich will gewiß acht geben, Mutter!
Mutter. Thue es doch, mein Lieber, und glaub' mir, diesesunbedachtsame Wesen würde dich gewiß unglücklich machen.
Niklas. Liebe, liebe Mutter! ich weiß es, und ich glaub' es,und ich will gewiß acht geben.
Mutter. Und du, Life, wie hast du dich in dieser Woche aufgeführt?
Life. Ich weiß einmal nichts anderes diese Woche, Mutter!
Mutter. Gewiß nicht?
Life. Nein einmal, Mutter, so viel ich mich besinne! ich wolltees sonst gerne sagen, Mutter!
Mutter. Daß du immer, auch wenn du nichts weißt, mit soviel Worten antwortest, als ein anderes, wenn es recht viel zu sagen hat.
Lise. Was habe ich denn jetzt auch gesagt, Mutter?
Mutter. Eben nichts und doch viel geantwortet. Es ist das,was wir dir tausendmal schon sagten, du seiest nicht bescheiden, du be-sinnest dich über nichts, was du reden sollst, und müssest doch immergeredet haben. Was hattest du gerade vorgestern dem Untervogt zu sagen,du wissest, daß Arner bald kommen werde?
Lise. Es ist mir leid, Mutter!
Mutter. Wir haben's dir schon oft gesagt, daß du nicht in alles,was dich nicht angeht, reden sollst, insonderheit vor fremden Leuten,