Buch 
Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
Seite
149
JPEG-Download
 

149

und doch thust du es immerfort. Wenn jetzt dein Vater es nicht hättesagen dürfen, daß er es schon wisse, und wenn er so Verdruß vondeinem Geschwätze gehabt hätte?

Life. Es würde mir sehr leid sein; aber ihr beide habet dochkein Wort gesagt, daß es niemand wissen soll.

Mutter. Ja, ich will's dem Vater sagen, wenn er heim kommt.Wir müssen zu allen Worten, die wir in der Stube reden, allemalhinzusetzen: Das darf jetzt die Life sagen bei den Nachbarn und beimBrunnen erzählen, aber das nicht, und das nicht, und daswieder, so weißt du denn ordentlich und richtig, wovon du plap-pern darfst.

Life. Verzeih mir doch, Mutter! Ich meinte es auch nicht so.

Mutter. Man hat dir für ein- und allemal gesagt, daß du innichts, was dich nicht angeht, plaudern sollst; aber es ist vergeblich.Dieser Fehler ist dir nicht anders abzugewöhnen als mit Ernst; unddas erste Mal, daß ich dich wieder bei so unbesonnenem Geschwätz an-treffe, werde ich dich mit der Rute abstrafen.

Die Thränen schössen der Life in die Augen, da die Mutter vonder Rute redete. Die Mutter sah es und sagte zu ihr: Life, die größtenUnglücke entstehen aus unvorsichtigem Geschwätze, und dieser Fehlermuß dir abgewöhnt sein. So redete die Mutter mit allen, sogarmit dem kleinen Gritli. Du mußt deine Suppe nicht so ungestümfordern; sonst laß ich dich ein andermal noch länger warten, oder ichgebe sie einem andern.

Nach allem diesem beteten die Kinder ihre gewöhnlichen Abend-gebete und nach denselben das Samstagsgebet, das Gertrud sie gelehrthatte. Nachdem auch die Mutter über ihnen gebetet und sie gesegnethatte, saßen alle noch eine Weile in der ernsten Stille, die ein wahresGebet allen Menschen einflößen muß.

7V. Des Knaben erster Schulgang.

Meta Heußer, Gedichte.

^a gehst du nun, es ist der erste Schrittin deine Welt! Es öffnen sich die Thürendes Wissens dir; o nimm den Segen mitder Mutter, die dich ferner nicht kann führen!