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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Ich hieß dich gehn; still löst' ich auf das Band,das dich an Mutterhand so süß geschlossen.

So steht die Mutter wohl am Meeresrandund sieht des Sohnes Kahn vom Ufer stoßen.

Don nun an, o wie manches Meisters Handwirst du ergreifen, wirst hindurch dich schlagendurch Schul' um Schule, bis dein Schisflein Landgefunden, und die Antwort deine Fragen!

O, daß in eines Meisters Schule nurich dich am Ende deiner Schule finde!

Sein ist der Wahrheit Reich, auf seiner Spurwird Sohn und Mutter wieder froh zum Kinde.

71. Vaterlehren Flattichs.

K. Fr. Ledderhose, Joh. Friedr. Flattichs Leben und Schriften.

1. Kerrie was, so kannst du was! Man hält es öftersfür unrecht, wenn man mehr lernt, als man in Zukunft zu brauchenmeint. Die meisten wollen gerade so viel lernen, als sie später nötig zuhaben glauben. Wenn aber einer nicht mehr Rettigkörnlein stecken wollte,als er künftig Rettig bekommen will, so würde es ihm gewiß fehlen,da nicht alles gerät, was er säet. So geht es auch beim Lernen; dennes bleibt nicht alles, was man lernt. Daher muß man soviel in seinerJugend lernen, daß auch etwas davon verloren gehen kann. Zudemkann man nicht wissen, was man in Zukunft brauchen wird. Manwird auch keinen gescheiten Menschen klagen hören, daß er zu viel ge-lernt habe. Wenn du ein schlechter Mensch werden willst, so brauchst duallerdings nicht viel zu lernen. Möchtest du aber recht brauchbar wer-den, so mußt du in deiner Jugend so viel lernen, als du kannst. BloßBettelleute haben zu ihrer Haushaltung nicht viel nötig. Wenn manaber eine rechte Haushaltung führen will, so wird vieles dazu erfordert.Es ist ein gemeiner Fehler, daß man in jungen Jahren nicht bedenkt,was man können sollte. Man vergleicht sich gern mit andern, vielleichtschlechter» Leuten, und wenn man glaubt, man verstehe so viel als sie,so denkt man, es sei nicht nötig, weiter zu lernen. Vergleiche dich liebermit geschickten Leuten und bedenke, wie viel dir noch fehlt. Überdieshat jeder Mensch von Gott die Pflicht, seine Zeit nützlich anzuwenden.