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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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2. Beharrlichkeit führt zum Ziel. Wenn ein jungerMensch Aufmerksamkeit hat, wenn er die Beschwerlichkeiten nicht achtet,wenn er in dem, so er anfangt, nicht nachläßt, bis er es zu ständegebracht hat, so kann man gute Hoffnung von ihm haben. Wenn erauch nur in etwas Geringem Eifer und Ausdauer zeigt, so kann manvon ihm erwarten, er werde wohl fortkommen, wenn er in etwas Rechteshinein versetzt wird. Solange er aber keine rechte Aufmerksamkeit hat,solange er die Beschwerlichkeiten scheut, solange er immer anfängt undnichts forttreibt, so kann man nicht viel von ihm halten. Es gefälltmir gar nicht, wenn junge Leute in nichts fortmachen; denn es zeigtdies einen wankelmütigen Sinn. Sie kommen auch gemeiniglich imVerstand nicht weit, weil man die Einsicht erst recht erlangt, wenn manetwas Ganzes vollbracht hat.

3. Fasse feste Vorsätze. Es kommt sehr viel darauf an, daßjunge Leute einen innern Vorsatz fassen, etwas Rechtes zu lernen undsich wohl zu halten. Denn wenn sie einen eigenen Vorsatz fassen, sogeben sie sich Mühe, sich selbst zu überwinden; sie räumen selbst dieHindernisse weg, sie bequemen sich zum Fleiß und sind froh, wenn mansie in Schranken hält. Verfehlen sie sich, so thut es ihnen wehe, undsie kommen leichtlich wieder ins richtige Geleise. Hingegen wenn siekeinen eigenen Vorsatz haben, so ist alles bei ihnen Fronwerk; sie ent-ziehen sich der Arbeit, wo sie können. Weisen Eltern oder Lehrmeistersie zurecht, so fassen sie leichtlich gegen solche einen Widerwillen undwünschen, daß sie nur einmal von dem Gehorsam und Lernen möchtenerlöst sein. Es ist deshalb wichtig, daß junge Leute selbst einen gutenEntschluß fassen. Es ist aber zu unterscheiden zwischen einem rechtenVorsatz und zwischen einem fliegenden Gedanken. Die leichtsinnigstenjungen Leute wünschen etwa, geschickt zu sein und ewas zu lernen, undhaben etliche Stunden oder auch wohl etliche Tage einen löblichen Eifer.Sobald aber die Arbeit ihnen anfängt sauer zu werden, so lassen siewieder nach. Dagegen bei einem ernstlichen Vorsatz äußert sich eineanhaltende Überwindung. Je mehr du dir wehe thust und dich über-winden lernst, desto raschere Fortschritte wirst du machen; denn aufdie eigene Überwindung kommt das meiste an.

Sich selbst bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg;

sich selbst besiegen, ist der allerschönste Sieg."