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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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72. Wo nichts ist, kommt nichts hin Was nicht ist,das kann werden.

Ich. Peter Hebel, Schatzkästlcin des rheinischen Hausfreundes.

kommen zwei Sprichwörter, und die sind beide wahr, wennsie schon einander widersprechen. Von zwei unbemittelten Brudern hatteder eine keine Lust und keinen Mut, etwas zu erwerben, weil ihm dasGeld nicht zu den Fenstern hineinregnete. Er sagte immer:Wo nichtsist, kommt nichts hin". Und so war es auch. Er blieb sein Leben langder arme Bruder Wonichtsist, weil es ihm nie der Mühe Wert war,mit einem kleinen Ersparnis den Anfang zu machen, um nach und nachzu einem größeren Vermögen zu kommen. So dachte der jüngere Brudernicht. Der pflegte zu sagen:Was nicht ist, das kann werden". Erhielt das Wenige, was ihm von der Verlassenschaft der Eltern zu teilgeworden war, zu Rat und vermehrte es nach und nach durch eigenesErsparnis, indem er fleißig arbeitete und eingezogen lebte. Anfänglichging es hart und langsam. Aber sein Sprichwort:Was nicht ist,kann werden", gab ihm immer Mut und Hoffnung. Mit der Zeit ginges besser. Er wurde durch unverdrossenen Fleiß und Gottes Segennoch ein reicher Mann und ernährt jetzt die Kinder des armen BrudersWonichtsist, der selber nichts zu beißen und zu nagen hat.

7L. Der kleine florentinische Schreiber.

Edmondo de Amicis, Herz; übersetzt von R. Wülser.

Er ging in die vierte Klasse der Gemeindeschule, ein liebens-würdiger, kleiner Florentiner von zwölf Jahren, mit schwarzen Haarenund weißem Gesicht, der älteste Sohn eines Eisenbahnangestellten, dermit einer großen Familie und kleinem Gehalt in Dürftigkeit lebte. DerVater liebte ihn und war sehr gut und nachsichtig mit ihm, nachsichtigin allem, außer in dem, was die Schule betraf; darin verlangte er vielund zeigte sich streng, denn der Sohn sollte bald im stände sein, einAmt zu verwalten, um der Familie zu helfen, und um es dazu zu bringen,sollte er in kurzer Zeit vieles bewältigen. So fleißig daher der Sohnauch war, mahnte ihn der Vater doch immer zu lernen, zu studieren.Der Vater war schon ziemlich bei Jahren und zudem durch strenge Ar-beit vor der Zeit alt geworden. Nichtsdestoweniger übernahm er, um dieFamilie durchzudrängen, außer den Arbeiten seines Amtes von da unddort noch andere und brachte einen schönen Teil der Nacht am Schreib-